Das DANGER-Projekt ist eine umfassende Forschungsinitiative, die sich mit den Herausforderungen antidemokratischer Kräfte in Europa auseinandersetzt. Es untersucht Strategien, die darauf abzielen, dem Aufstieg solcher Bewegungen entgegenzuwirken. Ein zentrales Augenmerk liegt auf der Analyse der Ergebnisse, die ein Vergleich zwischen verschiedenen Ländern wie Belgien und Finnland hervorbringt. Während in Belgien und der Tschechoslowakei eine Ausgrenzungsstrategie extremer Parteien verfolgt wurde, zeigt Finnland, wie Einbeziehung eine Alternative darstellen kann. Allerdings hat sich bislang keine dieser Strategien als durchweg wirksam erwiesen. Dies verdeutlicht die Komplexität der politischen Landschaft in Europa, wie uni-wh.de berichtet.
Ein weiteres zentrales Ergebnis des DANGER-Projekts ist die Erkenntnis, dass politische Gewalt rechtsextremen Parteien durchaus nutzen kann, jedoch verlässliche Daten zur Eindämmung dieser Gewalt fehlen. Die Forschung zeigt, dass in der Nachkriegseuropäischen Politik die Regierungsparteien bereitwilliger bereit sind, Macht und Ministerposten zu teilen, was als stabilisierend gilt. Dies erschwert die gefährliche Konzentration von Einfluss, der während der Zwischenkriegszeit eine bedeutende Rolle gespielt hat.
Datengrundlage und Forschungsziele
Das Projekt hat die „Archive of Interwar European Election Data and Assemblies“ (AIEEDA) ins Leben gerufen, die umfassende Wahlergebnisse, Koalitionen und Parteimerkmale für 25 europäische Demokratien der Zwischenkriegszeit bereitstellt. Zusätzlich enthält es einen Ereignisdatensatz zu politischer Gewalt, der notwendig ist, um das Zusammenspiel zwischen politischer Gewalt und dem Schicksal von Demokratien besser zu verstehen. Dabei bleibt jedoch eine entscheidende Lücke: Für das heutige Europa existieren keine systematisch erhobenen Daten zu politischer Gewalt, was die Analyse deutlich erschwert.
Ein weiterer bedeutender Aspekt der Forschung ist die „Citizen Anger Interwar News“ (CAIN) Datenbank. Sie bietet umfassende Informationen über politisch motivierte Gewalt in den europäischen Staaten der Zwischenkriegszeit. Diese Datenbank enthält Details zu Ort, Zeit, Art, Ziel und den Tätern der gewalttätigen Ereignisse. Besonders hervorzuheben sind die Aufzeichnungen über die Gewalt zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren, einschließlich Auseinandersetzungen zwischen Polizei und radikalen Gruppen, sowie zwischen verschiedenen nicht-staatlichen Akteuren. Diese Informationen ermöglichen eine systematische Kartierung der politischen Gewalt in der interwar Periode, was für das Studium des Überlebens oder Zusammenbruchs von Demokratien von großer Bedeutung ist, wie erc-danger.de feststellt.
Soziale Bewegungen und deren Einfluss auf die Demokratie
Im Kontext der gegenwärtigen politischen Entwicklungen in Europa zeigen Umfragen, dass viele Bürger besorgt über die Qualität der Demokratie sind. Die Studie ProDem hat in sechs Ländern das Vertrauen in die politischen Institutionen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass ein weitreichendes Misstrauen in die nationale Politik besteht, während das Vertrauen in EU-Institutionen tendenziell höher ist. Diese Diskrepanz schafft ein Klima, in dem antidemokratische Parteien versuchen, die Unzufriedenheit der Bürger für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Ein Beispiel hierfür ist die AfD in Deutschland, die die Forderungen der Pegida-Bewegung aufgenommen hat, um ihre Agenda zu stärken, wie volkswagenstiftung.de analysiert.
Die Untersuchung des Zusammenspiels von Protestbewegungen und politischer Agitation zeigt auch, dass in der Politikwissenschaft eine bedeutende Rolle der Bewegungsparteien zugeschrieben wird. Allerdings zeigt die ProDem-Studie, dass es bislang nur eine echte Bewegungspartei gibt, die aus einer Protestbewegung entstand: die Fünf-Sterne-Partei in Italien. Viele Parteien, die sich als Bewegungsparteien bezeichnen, entwickeln sich schnell zurück zu klassischeren Parteistrukturen, was die Frage aufwirft, wie nachhaltig diese politischen Veränderungen tatsächlich sind.



