Die Universitätsstadt Kassel bietet eine bemerkenswerte Ausstellung, die sich mit der vergessenen Bauhaus-Architektin, Designerin und Fotografin Katt Both beschäftigt. Ausgelöst durch den wiederentdeckten Nachlass von Both, veranstaltet das Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre der Universität Kassel diese retrospektive Schau. Die Eröffnung fand am 10. Februar 2026 statt, mit Redebeiträgen von Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und der Präsidentin der Universität, Prof. Dr. Ute Clement.
Katt Both, die 1905 in Waldkappel geboren wurde und 1985 in Kassel starb, hat in ihrer Laufbahn zahlreiche Meilensteine gesetzt. Ihre Ausbildung führte sie von der Kunstgewerbeschule Kassel über die Hochschule Burg Giebichenstein bis zum renommierten Bauhaus. In der Ausstellung wird ihr Werdegang, einschließlich ihrer beruflichen Stationen bei Fred Forbat, den Gebrüdern Luckhardt, Alfons Anker in Berlin sowie im Büro des Bauhaus-Architekten Otto Haesler, thematisiert.
Einblicke in soziale Wohnprojekte
Ein zentraler Aspekt der Ausstellung sind Katt Boths Engagement und ihre Visionen für soziale, gebrauchstaugliche und gemeinschaftliche Wohnformen. Ihre Mitwirkung an Projekten wie dem Aschrott-Altersheim und der Rothenbergsiedlung in Kassel, die als Ikonen der modernen Architektur gelten, wird besonders hervorgehoben. Diese bemerkenswerten Projekte fanden 1932 ihre Präsentation im MoMA Museum of Modern Art in New York.
Die Ausstellung bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Arbeit von Katt Both, insbesondere im Kontext der Emanzipation der „Neuen Frau“ der 1920er-Jahre. Ergänzt wird sie durch aktuelle Arbeiten von Künstler:innen wie Christina Gradtke und Leonard Volkmer sowie internationalen Positionen, die zur heutigen Diskussion über sozialen Wohnungsbau anregen.
Ein komplexes Erbe
Ein weiterer Fokus der Ausstellung liegt auf der Auseinandersetzung mit Katt Boths Biografie. Ihre Eintragung in die Reichskulturkammer im Jahr 1938 und ihr Beitritt zur Nationalsozialistischen Partei 1942, gefolgt von ihrer kurzen Tätigkeit beim Deutschen Frauenwerk, werfen einen Schatten auf ihr Erbe. Nach nur fünf Monaten wechselte sie in das Büro des Bauhaus-Architekten Ernst Neufert. Diese Aspekte wird die Ausstellung behutsam beleuchten, um einen umfassenden Blick auf Boths Lebenswerk zu ermöglichen.
Die Finissage der Ausstellung findet am 8. März, dem Internationalen Frauentag, statt. Ihre Öffnungszeiten sind von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 18 Uhr, und der Eintritt ist frei. Die Schau wird von Studierenden des Fachgebiets unter der Leitung von Prof. Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Kunsthistorikerin Dr. Ute Maasberg sowie internationalen Kunstpositionen, ausgewählt von der freien Kuratorin Sabine Kienzer, entwickelt.
Die Veranstaltung wird durch die Pfeiffer-Stiftung für Architektur, die Kasseler Sparkasse, die Stadt Kassel, die Universität Kassel, die GWG Kassel sowie das Amt für Chancengleichheit der Stadt Kassel unterstützt. Weitere Informationen sind bei Dr. Ute Maasberg unter ute.maasberg@uni-kassel.de oder telefonisch unter 016093820229 erhältlich.