In einer spannenden Abfolge von Veranstaltungen und Workshops hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Kooperation mit der Universität Passau ein neues Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI) im Agrarbereich beleuchten soll. Dabei liegt der Fokus auf der bayerischen Landwirtschaft und der Evaluierung von Large-Language-Modellen (LLMs) für den Einsatz in diesem Sektor. So berichtete die Universität Passau, dass ein Auftaktworkshop Ende Januar stattfand, bei dem auch Prof. Dr. Poyen Hu von der Universität Soochow aus Taipei über den Einsatz von KI und Chatbots in der öffentlichen Verwaltung referierte.
Das Projekt „KI-ChatBot für die Landwirtschaft: Evaluierung, Optimierung und Strategieentwicklung“ wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) gefördert. Grundlage bildet ein von IBM entwickelter KI-Agrar-Chatbot-Prototyp, der auf den Webseiten des StMELF und der LfL operiert. Dieser Prototyp wird nun einem umfangreichen Praxistest unterzogen und gleichzeitig technisch optimiert.
Rechtliche Herausforderungen und Haftungsrisiken
Wie aus dem Projekt hervorgeht, stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt der Untersuchungen. Die juristische Bewertung wird von Prof. Dr. Kai von Lewinski geleitet und umfasst im Wesentlichen die rechtlichen Anforderungen an den Betrieb des Chatbots. Hierbei kommen Themen wie Immaterialgüter-, Datenschutzrecht sowie Haftungsrisiken zur Sprache. Insbesondere die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stellt eine zentrale Herausforderung dar: Die Verarbeitung personenbezogener Daten wie IP-Adressen und Gesprächsinhalten erfordert klare Rechtsgrundlagen und informiert den Nutzer über die Interaktion mit der KI.
Darüber hinaus wird die ab dem 2. August 2026 in Kraft tretende KI-Verordnung (AI Act) erhebliche Auswirkungen haben. Diese Gesetzgebung verlangt von Webseitenbetreibern, Nutzer über die Art ihrer Interaktion mit KI-Systemen zu informieren und legt eine Risikoklassifizierung für die KI-Anwendungen fest. Der Einsatz von KI-Chatbots kann sowohl Effizienzgewinne bringen als auch rechtliche Risiken bergen, wie zum Beispiel Haftungsansprüche bei fehlerhaften Auskünften und irreführenden Aussagen. Diese Aspekte wurden auch im Rahmen des Auftaktworkshops diskussionswürdig behandelt.
Innovative Lösungen für die Landwirtschaft
Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, den Landwirtschaftssektor nachhaltig zu revolutionieren. Die Entwicklung von Chatbots zur Unterstützung bei der Beratung und Wissensvermittlung könnte Landwirten helfen, Herausforderungen schneller und effizienter zu bewältigen. Der Bedarf an rechtlichen Rahmenbedingungen und Leitlinien wird jedoch immer deutlicher, um die Implementierung sicher und nachhaltig zu gestalten. Empfehlungen aus dem juristischen Bereich raten, technische Maßnahmen zu ergreifen, um die Risiken zu minimieren. Dazu zählen etwa die Festlegung von Wissensquellen und Zugriffsberechtigungen sowie die Implementierung von Logging und Monitoring von Chatverläufen.
Durch den Fokus auf diese rechtlichen und technischen Aspekte soll das Projekt nicht nur aktuelle Herausforderungen adressieren, sondern auch aktiv zur KI-Strategie des StMELF und seiner nachgelagerten Behörden beitragen. Ein Rechtsgutachten, das im Rahmen des Projekts erstellt wird, soll nicht nur Handlungsempfehlungen liefern, sondern auch auf die zukünftige Nutzung von KI-Chatbots in der Landwirtschaft maßgeblich Einfluss nehmen.
Die Bundesregierung plant unterdessen, Deutschland als Standort für Künstliche Intelligenz zu stärken. Ein Gesetzentwurf zur Umsetzung der KI-Verordnung wurde bereits beschlossen und soll einen einheitlichen Rechtsrahmen für KI-Systeme schaffen. Das Ziel dieser Initiative ist es, Innovationen zu fördern und das Vertrauen in KI-Technologien zu stärken. Um diese Ziele zu erreichen, sind klare Ansprechpartner und eine enge Zusammenarbeit der nationalen Behörden notwendig, insbesondere beim Umgang mit der bestehenden Expertise und Infrastruktur.
Das Zusammenspiel dieser Elemente zeigt, dass der Einsatz von KI im Agrarbereich nicht nur technologische, sondern auch rechtliche Herausforderungen mit sich bringt, die sorgfältig betrachtet werden müssen, um die Chancen dieser Innovation zu nutzen.