Forschende aus Dresden und Aachen haben ein wegweisendes KI-Modell zur Einschätzung des Leberkrebsrisikos entwickelt, das die Früherkennung dieser gefährlichen Erkrankung signifikant verbessern könnte. Frühe Diagnosen sind entscheidend für erfolgreiche Behandlungen, jedoch werden viele Fälle von Leberkrebs, besonders das hepatozelluläre Karzinom (HCC), häufig erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt. Viele Betroffene bauen dadurch die von der Krankheit verstandene Chance auf eine wirksame Therapie ab.
Das internationale Forschungsteam, geleitet von Prof. Carolin V. Schneider und Prof. Jakob N. Kather, hat ein Modell mit dem Namen PRE-Screen-HCC entwickelt, das auf routinemäßig erhobenen klinischen Daten basiert. Diese Daten umfassen Vorerkrankungen, Laborwerte und Lebensstilfaktoren und ermöglichen eine präzisere Risikoeinschätzung. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Cancer Discovery veröffentlicht und stammen aus der Analyse von Gesundheitsdaten von über 900.000 Personen aus der UK Biobank und dem All of Us Research Program, wobei fast 1.000 bestätigte HCC-Fälle in die Auswertung einflossen.
Innovative Ansätze in der Krebsfrüherkennung
Das PRE-Screen-HCC Modell zeigt eine überlegene Vorhersageleistung im Vergleich zu etablierten HCC-Risikoscores. Es vergleicht sich sogar mit aufwendigen Genom- oder Stoffwechseldaten, was die Effizienz und Zugänglichkeit des Modells unterstreicht. Der Ansatz zielt darauf ab, Personen in niedrige, mittlere und hohe Risikogruppen einzuteilen, sodass der gezielte Einsatz von Ultraschall-Screenings optimiert werden kann.
Ein herausragendes Merkmal dieses Modells ist, dass es ausschließlich auf Routinedaten beruht, die im Klinikalltag bereits vorliegen. Dies erleichtert die Implementierung in standardisierte Vorsorgeprogramme und bietet die Möglichkeit, Hochrisikopersonen für Leberkrebs frühzeitig zu identifizieren. Jan Clusmann vom EKFZ für Digitale Gesundheit weist darauf hin, dass dies insbesondere für Menschen von Vorteil ist, die von einer Ultraschall-Früherkennung profitieren könnten.
Langfristige Ziele und Förderung
Das langfristige Ziel dieser Forschungsarbeit ist die Früherkennung von Hochrisikopersonen für Leberkrebs. Die Studie erhielt Unterstützung von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Mildred-Scheel-Postdoktorandenprogramms und wird von verschiedenen Institutionen wie dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, dem NCT Heidelberg und der Charité Berlin getragen. Das EKFZ für Digitale Gesundheit wurde im Jahr 2019 gegründet und erhält über zehn Jahre hinweg 40 Millionen Euro Förderung, um innovative Gesundheitslösungen voranzutreiben.
Die Entwicklungen in der Krebsfrüherkennung sind wegweisend, da sie nicht nur präventive Maßnahmen optimieren, sondern auch die Lebensqualität und Überlebenschancen von Patienten mit Leberkrebs erheblich verbessern könnten. Mit diesem neuen Ansatz zeigen die Forscher, welches Potenzial in den verfügbaren Bevölkerungsdaten steckt, um eine effektive Früherkennung zu gewährleisten.



