
Am 2. April 2025 startete an der Universität des Saarlandes ein innovatives Lehrprojekt mit dem Namen „Held:innenreise mit KI“. Laut Uni Saarland vereint dieses Projekt Methoden der Geschichtswissenschaft mit generativer KI. Ziel ist es, dass Studierende eigene wissenschaftliche Fragestellungen entwickeln und bearbeiten, indem sie KI-gestützte Werkzeuge einsetzen. Die Förderung einer kritischen Auseinandersetzung mit digitalen Technologien im historischen Denken steht dabei im Vordergrund. Studierende sollen neue Formen wissenschaftlichen Arbeitens erproben.
Das Projekt ist Teil einer umfassenden Studie mit dem Titel „KI in Studium und Lehre – Use-Cases und Gelingensbedingungen“, die vom Hochschulforum Digitalisierung durchgeführt wurde. In dieser Studie wurden insgesamt 77 Anwendungsbeispiele aus Hochschulen im deutschsprachigen Raum eingereicht. Das Lehrprojekt der Universität des Saarlandes gehört zu den neun analysierten Projekten. Diese Studie hebt hervor, dass das Projekt technische Neugier fördert und tiefgreifende Lernprozesse ermöglicht.
Interdisziplinäre Ansätze in der Lehre
Besonders betont wird die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen, insbesondere der Fachwissenschaft, Hochschuldidaktik und den digitalen Diensten der Universität. Die Universität demonstriert auf diese Weise, wie interdisziplinäre Teams innovative Lehrformate entwickeln können. Ein zentrales Fazit der Studie ist, dass der Einsatz von KI in der Lehre ein strukturiertes Zusammenspiel von Kompetenzaufbau, Infrastruktur und Austausch erfordert.
Die vollständige Studie und der dazugehörige Use-Case-Katalog sind über die Webseite des Hochschulforums Digitalisierung abrufbar. Zudem gibt es ergänzende Informationen über Projekte wie die Dokumentation des Lehrprojekts „Quellenaufbereitung mit Hilfe digitaler Tools – Eine Held:innenreise mutiger Studierender“ sowie die Publikation „Lateinkenntnisse erforderlich?“. Für weitere Fragen stehen die Projektverantwortlichen, Prof. Dr. Cristina Andenna und Dr. Miriam Weiss, zur Verfügung.
Herausforderungen und Chancen von KI in der Lehre
Im Kontext der Lehre stellt die Verwendung von KI-Tools wie ChatGPT eine disruptive Technologie dar, die Bildungseinrichtungen vor neue Herausforderungen stellt. Das Hochschulforum Digitalisierung hat hierzu einen vierstufigen Ansatz entwickelt, der Lehrenden, die keine KI-Expertise besitzen, helfen soll. Zunächst soll eine Analyse der Lehrveranstaltung erfolgen, um Lernergebnisse und Kompetenzen zu überprüfen.
- Analyse der Lehrveranstaltung: Überprüfung der angestrebten Lernergebnisse.
- Identifikation relevanter KI-Tools: Auswahl eines passenden KI-Tools entsprechend den Lernzielen.
- Geeignete Abschnitte für den KI-Einsatz: Bestimmung von Sitzungen für den sinnvollen Einsatz von KI.
- Didaktische Integration der KI: Überlegungen zur Rolle der Lehrenden und klare Regelungen für den KI-Einsatz.
Die Lehrenden müssen sich auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass KI nicht alle Schreibzwecke erfüllt. Insbesondere individuelle Reflexionen lassen sich nur schwer automatisieren. Die Notwendigkeit des Schreibens bleibt trotz der Verfügbarkeit textgenerierender KI bestehen. Hochschulen sind gefordert, KI-Tools sowie Reflexionskompetenz in ihre Lehrveranstaltungen zu integrieren, um Bildungsgerechtigkeit und Datenschutz zu gewährleisten.
Insgesamt zeigt sich, dass die Integration von KI in die Lehre sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Innovative Ansätze wie das Projekt an der Universität des Saarlandes können dabei helfen, das Potenzial dieser Technologien besser zu nutzen.