In der aktuellen Diskussion um die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI) auf den Arbeitsmarkt stehen insbesondere die Stellenabbauten in Tech-Unternehmen im Fokus. Diese Entscheidungen werden oft mit dem verstärkten Einsatz von KI gerechtfertigt. Eine umfassende Studie der Universität Passau und der Arizona State University, veröffentlicht in der Academy of Management Review, untersucht die langfristigen Folgen dieses Trends und thematisiert die möglichen Risiken für das Wissen in Unternehmen.

Die Studie trägt den Titel „Fading Memories: The Role of Machine Learning in Organizational Knowledge Depreciation“. Die beiden Autoren, Prof. Dr. Jin Gerlach von der Universität Passau und Prof. Dr. Don Lange von der Arizona State University, stellen fest, dass durch den Einsatz von KI-Systemen erfahrene Mitarbeitende weniger Fachwissen nutzen. Dies kann dazu führen, dass sie dieses Wissen vergessen oder das Unternehmen verlassen. Neuen Angestellten fehlt oft das entsprechende Wissen, um die Lücken zu füllen. Dies führt zu einem signifikanten Wissensverlust.

Die Herausforderungen moderner KI-Modelle

Laut den Forschenden müssen KI-Modelle regelmäßig mit neuen Trainingsdaten aktualisiert werden, um ihre Relevanz zu behalten. Diese Aktualisierung erfordert jedoch menschliche Expertise, deren Fehlen die Qualität der KI-Vorhersagen gefährden kann. Veraltete Vorhersagen können nicht nur das Urteilsvermögen der Mitarbeitenden beeinträchtigen, sondern fördern auch den Verlust von Wissen innerhalb der Organisation. Langfristig ist es entscheidend, menschliches Wissen zu bewahren, um einer vollständigen Abhängigkeit von KI entgegenzuwirken.

Parallel zu diesen Entwicklungen verfolgt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) die Auswirkungen von KI auf den deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden 15 Jahren. In einer aktuellen Analyse wird prognostiziert, dass die Gesamtzahl der Arbeitsplätze weitgehend konstant bleiben könnte, jedoch mit deutlich spürbaren Veränderungen. Rund 800.000 Jobs könnten durch die Automatisierung wegfallen, während gleichzeitig etwa 800.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Veränderungen in den Branchen

Erhebliche Umstellungen sind vor allem in Unternehmensdienstleistungen zu erwarten. Die Beschäftigtenzahl in diesem Sektor könnte um etwa 120.000 Stellen sinken. In anderen Regionen wie dem Gesundheitswesen oder der öffentlichen Verwaltung wird ebenfalls ein Rückgang der Arbeitskräfte prognostiziert. Kommunen und Unternehmen sehen sich hier in der Verantwortung, den Wandel durch KI aktiv zu gestalten. Bundesweit sind über 900 KI-Start-ups entstanden, was einen starken Anstieg im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Der Einsatz von KI in Unternehmen hat jedoch auch Schattenseiten.

Großunternehmen wie Amazon, HP und Lufthansa kündigen bereits Stellenabbau an. Lufthansa plant, bis 2030 rund 4000 Stellen in der Verwaltung abzubauen, während Allianz Partners bis zu 1800 Callcenter-Mitarbeiter durch KI ersetzen will. Der Anstieg bei der Implementierung von KI in den Firmen war im Sommer 2025 bemerkenswert, als gut 40% der Unternehmen entsprechende Technologien einsetzten, ein Anstieg von 27% im Vorjahr.

Die Herausforderungen durch KI betreffen insbesondere Berufseinsteiger. Studien zeigen, dass deren Tätigkeiten häufig automatisiert werden, was zu einem Wettbewerb um die verbleibenden Stellen führt. Diese Situation erfordert eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, um den Wandel zu gestalten. Instrumente wie Gewerkschaften und Betriebsräte sind hierbei von essentieller Bedeutung. Weiterbildungsmaßnahmen und berufliche Neuorientierung werden als Schlüssel angesehen, um die Beschäftigten für die Zukunft fit zu machen.

Insgesamt werfen die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse ein Licht auf die komplexen Wechselwirkungen zwischen KI und Arbeitsmarkt. Die Studienergebnisse betonen deutlich, dass ohne adäquate Maßnahmen zur Förderung von Fachwissen und Weiterbildung Deutschland international an Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Herausforderungen, die die KI mit sich bringt, gerecht zu werden und die soziale sowie wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Dies ist besonders in Anbetracht der Tatsache, dass KI und Automatisierung in den kommenden Jahren in einer Vielzahl von Branchen an Bedeutung gewinnen werden.