Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist eine aggressive Krebserkrankung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft. Trotz der Fortschritte, die durch intensive Chemotherapien und Immuntherapien erzielt wurden, reagieren viele Patienten unzureichend oder erleiden Rückfälle. Die Therapeutischen Optionen für diese Patienten sind oft begrenzt und gehen häufig mit erheblichen Nebenwirkungen einher. Ein neues Forschungsprojekt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) könnte hier Licht ins Dunkel bringen.
Unter der Leitung von Professor Elmar Wolf und Professorin Claudia Baldus, unterstützt von der Assistenzärztin Lea Spory als Clinician Scientist, setzt das von der Deutschen Krebshilfe geförderte Projekt auf die innovative PROTAC-Technologie. PROTACs, oder Proteolysis Targeting Chimeras, schaffen es, gezielt Proteine abzubauen, die das Wachstum von Krebszellen fördern, anstatt sie nur zu hemmen. Dies könnte für viele Patienten mit ALL eine neue Behandlungsoption darstellen, gerade für diejenigen, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen.
Neue Chancen durch PROTACs
Ein wesentliches Ziel des Projekts ist die Identifizierung von Schwachstellen in Leukämiezellen, die besonders empfindlich gegenüber PROTAC-Molekülen sind. Durch umfassende Datenanalysen werden Zielproteine und Enzyme ausgewählt, um gezielten Proteinabbau zu ermöglichen. Diese ausgewählten Strukturen sollen in zellbasierten Modellen getestet werden, um ihre therapeutische Relevanz zu bestätigen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren im Rahmen der klinischen Forschungsgruppe CATCH ALL (KFO 5010) und des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH).
Die PROTAC-Technologie hat das Potenzial, auf eine Vielzahl von Zielstrukturen zuzugreifen, einschließlich solcher, die als „undruggable“ gelten. Dies bietet neue Möglichkeiten in der Krebsforschung, da über 600 E3-Ligasen im menschlichen Genom zur Identifizierung spezifischer Proteine für den Abbau genutzt werden können. Aktuell befinden sich mehr als 20 verschiedene PROTACs in klinischen Studien, auch für andere Krebsarten wie Prostatakrebs und Brustkrebs.
Vergleich mit CAR T-Zellen
Zusätzlich zu den Fortschritten in Kiel gibt es vielversprechende Entwicklungen in der Behandlung akuter lymphatischer Leukämie bei Erwachsenen. Studien des Universitätsklinikums Heidelberg zeigen, dass CAR-T-Zellen der dritten Generation signifikante Fortschritte in der Therapie von Patienten mit refraktärer oder rezidivierter ALL bieten können. Eine klinische Studie mit 13 erwachsenen Patienten hat gezeigt, dass zehn von ihnen nach der Behandlung ein Ansprechen zeigten, wovon acht eine komplette Remission erreichten.
Die CAR T-Zellen wurden speziell gegen das B-Lymphozytenantigen CD19 gerichtet und alle Behandlungsschritte fanden gemäß strengen Standards der Good Manufacturing Practice in Heidelberg statt. Nach einem Jahr der Beobachtung betrug das progressionsfreie Überleben 38 Prozent. Diese Ergebnisse unterstreichen das große Potenzial neuer immuntherapeutischer Ansätze – und gleichzeitig die Notwendigkeit weiterer Forschungen in der Leukämiebehandlung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die PROTAC-Technologie, die an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel getestet wird, zusammen mit neuen CAR T-Zellen-Ansätzen Hoffnung für viele Patienten mit akuter lymphoblastischer Leukämie bietet. In einer Zeit, in der viele Behandlungsmöglichkeiten noch an ihre Grenzen stoßen, öffnen sich durch innovative Forschungsprojekte neue Türchen für eine bessere Therapieansätze.