Am 2. März 2026 veröffentlicht die Universität Osnabrück Erkenntnisse zu den Ansichten von Grundschulkindern hinsichtlich eines möglichen Smartphoneverbots an Schulen. Noel Stratmann, ein Student der Universität, hat zu diesem Thema eine Bachelorarbeit verfasst, die eine umfassende Befragung von 377 Schülerinnen und Schülern aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen umfasst. Darunter waren 156 Grundschulkinder und 221 Sechstklässler. Die Erhebung, die im Sommer 2025 mit einem standardisierten Fragebogen durchgeführt wurde, liefert spannende Einblicke in das Denken der jungen Generation.

Die Ergebnisse zeigen, dass 88 Prozent der Befragten ein eigenes Smartphone besitzen und im Durchschnitt mit neun Jahren ihr erstes Handy erhalten. Ein bemerkenswerter Befund ist, dass 63,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Verbot unterstützen, während nur 19,9 Prozent sich dagegen aussprechen und der Rest unsicher ist. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Zustimmung zu einem Verbot bei den Sechstklässlern (76,4 Prozent) deutlich höher ist als bei den Grundschulkindern (46,4 Prozent). Mädchen sind mit knapp 70 Prozent häufiger für ein Verbot als Jungen, bei denen dies nur rund 57 Prozent ausmacht.

Argumente für und gegen ein Verbot

Bei der Befragung wurde auch konkret nach den Gründen gefragt, weshalb die Schüler ein Verbot befürworten oder ablehnen. Rund 56 Prozent führen „Ablenkung und Störung im Unterricht“ als Hauptargument für ein Verbot an. 48,5 Prozent erwähnen hingegen, dass sie den Kontakt zu ihren Eltern in Notfällen für wichtig erachten, was gegen ein derartiges Verbot spricht. Prof. Dr. Ferdinand Stebner, der die Forschung an der Universität Osnabrück leitet, betont die bislang unterrepräsentierte Sichtweise von Grundschulkindern in derartigen Diskussionen und hebt hervor, dass die Kinder bereits eigene Vorschläge zur Regelung gemacht haben, wie beispielsweise technische Einstellungen oder festgelegte Verbotszonen auf dem Schulgelände.

Die Diskussion rund um Smartphoneverbote ist nicht neu. Laut dem deutschen Schulportal gibt es jedoch nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen über die Auswirkungen solcher Verbote auf den Lernerfolg. Eine Studie aus England aus dem Jahr 2016 zeigt, dass Schulen mit Handyverboten signifikant bessere Testergebnisse erzielten, insbesondere bei leistungsschwächeren Schülern. Der Effekt entspricht etwa einer zusätzlichen Unterrichtsstunde pro Woche. In Gegensatz dazu konnte ein schwedisches Forscherteam im Jahr 2019 keinen positiven Effekt eines Handyverbots nachweisen, da der Unterricht dort stark digitalisiert ist.

Uneinheitliche Studienlage

Die aktuelle Scoping-Review von Campbell et al. aus dem Jahr 2024 analysierte 22 Studien in zwölf Ländern und liefert ein uneinheitliches Bild. Während einige Studien positive Effekte von Handyverboten feststellen, zeigen andere keine signifikanten Zusammenhänge. Insbesondere bei Schülern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien wurden positive Effekte festgestellt, ebenso wie eine Abnahme von Mobbing-Vorfällen bei älteren Jugendlichen. Forscher warnen vor vorschnellen politischen Entscheidungen und fordern eine differenzierte Betrachtung der Thematik.

Insgesamt zeigt die Erhebung von Stratmann, dass Kinder reflektierte Argumente formulieren können und sich aktiv in die Diskussion um das Smartphoneverbot in Schulen einbringen möchten. Diese Einsichten können sowohl für schulische Entscheidungsträger als auch für Eltern wichtige Anhaltspunkte liefern, um den Umgang mit Smartphones im Bildungswesen kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Die Ergebnisse der Universität Osnabrück sind ein wertvoller Beitrag zu einem aktuellen und relevanten Thema, das viele Schulen in Deutschland betrifft.