In einem aktuellen Interview betont Prof. Dr. Stefan Faas, Professor für Sozialpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, die gravierenden Folgen von Sparmaßnahmen in der frühkindlichen Bildung. Diese Diskussion wird aktuell durch den Vorschlag von vier Oberbürgermeistern aus der Region Stuttgart angeheizt, die Kita-Standards zu senken. Faas kritisiert, dass solche Einsparungen die Qualität der frühkindlichen Bildung gefährden könnten. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung erläutert er, wie Eltern eine gute Kita erkennen können und welche Kriterien dabei ausschlaggebend sind. Dabei wird auch deutlich, dass die Behauptung der Oberbürgermeister, die Qualität in Kitas sei auf Gold- und Platinniveau, kaum haltbar ist.

„Bessere Personalschlüssel sind nicht ausreichend für gute Qualität“, stellt Faas klar. Aktuell fehlt es in Deutschland an verbindlichen Qualitätsstandards für Kitas. Der Wissenschaftler plädiert für die Entwicklung einheitlicher Standards, die den Fokus auf die sogenannte Prozessqualität legen. Dazu gehören Aspekte wie die täglichen Angebote der Fachkräfte, die Ansprache der Kinder und die Gestaltung von Routinen. Ein konkretes Beispiel für Prozessqualität ist die gezielte Förderung von Wortschatz und Sprachkompetenz der Kinder. Für Faas ist es entscheidend, dass der Kita-Alltag nicht nur als Betreuungszeit, sondern als Bildungszeit definiert wird.

Die Bedeutung der Prozessqualität

Die Forschung zeigt, dass die Grundlagen erfolgreicher Bildungsbiografien zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr gelegt werden. Aus diesem Grund ist die Diskussion um die Prozessqualität in Kitas von so großer Bedeutung. Prof. Faas stellt fest, dass die Eltern häufig eine zu positive Einschätzung der Kita-Qualität haben und dass eine transparente Kommunikation seitens der Kitas wichtig ist. „Eltern sollten die Möglichkeit haben, zu hospitieren, um sich ein Bild von der Qualität zu machen“, erklärt er.

Ein weiteres Anliegen von Faas ist die Einführung eines verbindlichen Qualitätsmonitorings. Derzeit gibt es kein einheitliches Monitoring für die Güte der Prozessqualität in Kitas, obwohl jährlich rund 45 Milliarden Euro in diesen Bereich fließen. Bildungsökonomen betonen die hohe Bildungsrendite in der frühen Kindheit. Faas fordert daher eine bessere Überprüfung der Qualität, um sicherzustellen, dass Kinder optimale Rahmenbedingungen vorfinden.

Fachkräftemangel und Herausforderungen

Ein akuter Fachkräftemangel in Kitas erschwert die Diskussion um die Qualität der frühen Bildung erheblich. Über den Einsatz von Nicht-Fachkräften, die gut angeleitet und durch ein Monitoring begleitet werden sollten, spricht Faas ebenfalls. Er erkennt an, dass ein erheblicher Mangel an qualifizierten Fachkräften besteht, der die Qualität der Betreuung beeinflusst.

Um die pädagogische Qualität trotz der Herausforderungen zu sichern, hat Baden-Württemberg den Erprobungsparagrafen eingeführt. Dieser soll Kitas mehr Flexibilität bieten, um die Bildungsstandards einzuhalten. Das Qualitätsmonitoring in Kitas wird in Kooperation mit dem Kultusministerium und der Pädquis Stiftung durchgeführt, um eine kontinuierliche Verbesserung der Rahmenbedingungen zu gewährleisten.

Die kritische Auseinandersetzung mit den Kita-Standards und den Auswirkungen von Sparmaßnahmen wird in den kommenden Monaten sicherlich weiterhin im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd berichtet über die aktuellen Entwicklungen. Weitere Informationen bietet der Kita Qualitätsmonitor, der detaillierte Einblicke in den Fachkräftemangel und die Bedeutung der Prozessqualität in der frühen Bildung gibt.