Professioneller Tanz stellt eine besondere Herausforderung dar, die oft über das hinausgeht, was von einem Sportler verlangt wird. Junge und dynamische Tänzerinnen und Tänzer zeigen täglich Höchstleistungen, doch dabei werden ihre Körper enormen Belastungen ausgesetzt. Eine aktuelle Studie der Goethe-Universität Frankfurt hat sich intensiv mit den Risiken von Verletzungen und Verschleiß bei professionellen Tänzern auseinandergesetzt. In der Untersuchung ereigneten sich zahlreiche spannende Erkenntnisse über das Muskel-Skelett-System der Tänzer.
Insgesamt nahmen 28 professionelle Tänzerinnen und Tänzer an der Studie teil, bei der während des Ballett-Trainings Spezialanzüge mit eingebetteten Sensoren eingesetzt wurden. Diese Sensoren haben die Bewegungen der Tänzer 240-mal pro Sekunde registriert. Die gesammelten Daten zeigen, dass die Tänzer während sämtlicher Trainingsphasen hohen Belastungen ausgesetzt sind.
Verletzungsrisiko und Verschleiß
Die Analyse ergab, dass rund 50% der Tänzer mindestens einmal jährlich einen Arbeitsunfall erleiden, wobei Zerrungen und Verstauchungen häufige Ursachen sind. Alarmierend ist außerdem, dass 25% der Tänzer mit Ende 20 bereits unter Arthrose leiden, im Kontrast zu unter 5% in der allgemeinen Bevölkerung. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass professioneller Tanz nicht nur eine Kunstform ist, sondern auch einem enormen Risiko für muskuloskelettale Erkrankungen (MSE) unterliegt.
Die Forscher setzten einen innovativen Belastungsbewertungsansatz ein, den Rapid Entire Body Assessment (REBA) Score, um Gelenke, Muskeln, Bänder und Sehnen zu bewerten. Dabei zeigte sich, dass über 60% der Trainingszeit in einem Bereich verbracht wird, der mit mittlerem, und 30% mit hohem Verletzungsrisiko verbunden ist. Besonders Tänzerinnen sind einem höheren ergonomischen Stress ausgesetzt als ihre männlichen Kollegen.
Die Herausforderungen des Tanztrainings
Der klassische Tanz umfasst normalerweise drei Trainingsphasen, während denen die Anforderungen stetig steigen. Hier könnten bestimmte Optimierungen vorteilhaft sein, wie genderspezifisches Training und organisatorische Anpassungen in Spielstätten, um die Belastungen besser zu steuern. Diese strukturellen Veränderungen könnten den Tänzern helfen, das Verletzungsrisiko zu minimieren. Zudem wäre der Einsatz von speziellen Tanzböden, die die physische Belastung bei Sprüngen verringern, sinnvoll, wenn sie auch nicht immer in Proberäumen und auf Bühnen zu finden sind.
Im Zusammenhang mit den Belastungen und den daraus resultierenden Verletzungsrisiken stehen auch allgemeine Erkenntnisse über Muskel-Skelett-Erkrankungen. Diese machen in Deutschland etwa 22,6% der Arbeitsunfähigkeitstage aus und verursachen jährliche volkswirtschaftliche Schäden von schätzungsweise 19,6 Milliarden Euro. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat die Verringerung muskuloskelettaler Erkrankungen in den Mittelpunkt ihrer Präventionsstrategien gestellt, um die Gesundheit der Erwerbspersonen nachhaltig zu fördern.
Für eine nachhaltige Verbesserung der Situation ist es wichtig, dass sowohl die Beschäftigten im Tanzbereich als auch die Verantwortlichen verstärkt in die Entwicklung von ergonomischen Maßnahmen einbezogen werden. Durch Beteiligung und Ideenreichtum kann gemeinsam an der Gestaltung ergonomischer Arbeitsbedingungen gearbeitet werden, um die Herausforderungen des professionellen Tanzes besser zu meistern.
Für weitere Informationen zur Ergonomie und zur Gefährdungsbeurteilung von Muskel-Skelett-Belastungen ist es sinnvoll, die Seiten der Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zu besuchen.
Ob durch gezielte Präventionsmaßnahmen, bessere Trainingsbedingungen oder einen intelligenten Umgang mit den spezifischen Belastungen des Tanzes – es bleibt zu hoffen, dass die gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, die Physiologie von Tänzern besser zu schützen und die Hingabe, die diesen kräftezehrenden Sport begleitet, wertzuschätzen.