Im „Umdenken“-Podcast der Universität Münster betont Prof. Dr. Joachim Kurtz, ein renommierter Evolutionsbiologe, die Dringlichkeit einer kollektiven Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels und den massiven Verlust der Biodiversität. Anlass für die Diskussion war der „Darwin-Tag“ am 12. Februar, an dem Kurtz die alarmierenden Entwicklungen in der Natur thematisierte. Er warnt vor einem menschengemachten Aussterbe-Ereignis, das schlimmer sein könnte als alle früheren Extinktionen in der Erdgeschichte. Die Menschheit steht vor der Aufgabe, die CO2-Emissionen schnell zu reduzieren und Lebensräume zu schützen, um diesen kritischen Trend zu stoppen.

In der Natur findet evolutionäre Veränderung nicht nur über Jahrmillionen statt. Kurtz verweist auch auf Phänomene wie die Corona-Pandemie, bei der sich Krankheitserreger rasch an den Menschen anpassen – ein Beispiel für „Evolution in Echtzeit“. Um diese Veränderungen zu bekämpfen, ist es für die Gesellschaft unerlässlich, neue Denkansätze zu entwickeln und anzuwenden, wie auf der Website der Universität Münster berichtet wird.

Klimawandel und Artensterben im Fokus

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Artensterben wird häufig getrennt betrachtet, obwohl beide Krisen sich wechselseitig bedingen und verschärfen. Der Mensch hat beeindruckende 75 % der Landoberfläche und 66 % der Meere erheblich verändert. Diese Aktivitäten führten dazu, dass etwa 80 % der natürlich vorkommenden Säugetiere und 50 % der Pflanzen verloren gingen. Alarmierend ist, dass heute mehr Arten vom Aussterben bedroht sind als je zuvor in der Menschheitsgeschichte. Intensive Landwirtschaft, Fischerei und industrieller Fortschritt sind die Hauptursachen für den Verlust biodiverse Lebensräume und stehen in direktem Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel, wie die Tagesschau dokumentiert.

Eine Studie im Fachmagazin „Science“ fordert daher, die derzeit bestehenden UN-Konventionen zu Biodiversitäts- und Klimaschutz zu überdenken. Diese Konventionen betrachten die Krisen isoliert und setzen in erster Linie auf nationale Interessen, was das globale Problem verstärkt. Der Klimawandel und seine Folgen sind nicht nur lokal, sondern betreffen die gesamte Menschheit.

Schutzstrategien und notwendige Umstellungen

Um den drohenden Katastrophen zu entgehen, sind weitreichende Maßnahmen unverzichtbar. Dazu gehören die massive Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Der Schutz und die Renaturierung von mindestens 30 % der Land-, Süßwasser- und Ozeanflächen werden als essenziell erachtet. Eine Renaturierung von nur 15 % der umgestalteten Flächen könnte sogar 60 % der bedrohten Arten retten. Diese Strategien müssen in ein globales Netzwerk integriert werden, das naturnahe Wildnisgebiete miteinander verbindet, um einen echten Wandel zu bewirken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbeziehung indigener Gemeinschaften in das Schutzmanagement. Von ihren nachhaltigen Praktiken könnten wir vieles lernen, um ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur zu fördern. Der Schutz der natürlichen Lebensräume ist nicht nur eine Frage des Erhalts der Biodiversität, sondern auch entscheidend für den Klimaschutz, da natürliche Systeme, wie Wälder, CO2 absorbieren und somit zur Stabilität des Klimas beitragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Evolution und die Biodiversität eng miteinander verknüpft sind. Das Modul „Evolutionsbiologie, Biodiversität und Artenschutz“ an der Universität Kiel beleuchtet nicht nur diese Zusammenhänge, sondern bietet auch praxisnahe Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Von Vorlesungen über praktische Seminare bis hin zu Exkursionen zur Genetik des Artenschutzes im Bieszczady-Nationalpark: Studierende können hier umfassendes Wissen erwerben, das in der heutigen Zeit von immenser Bedeutung ist. Der Mensch als Evolutionsfaktor spielt eine zentrale Rolle und muss lernen, nachhaltig mit der Umwelt umzugehen, um die Evolution nicht nur als weitreichenden Prozess, sondern auch in ihrem unmittelbaren Einfluss auf die Gegenwart zu verstehen.