Das bundesweit angelegte Verbundprojekt „Wildpflanzen retten: Vielfalt erhalten, Klima schützen“ (WiVi-Klima) ist ein zentrales Vorhaben im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. Die Projektleiterin, Prof. Dr. Sabine Zachgo, die zudem die Direktorin des Botanischen Gartens in Osnabrück ist, erklärt, dass das Hauptziel des Projekts in der Sicherung der Wildpflanzenvielfalt liegt. Diese Vielfalt ist nicht nur essenziell für die Stabilität von Ökosystemen, sondern trägt auch aktiv zum natürlichen Klimaschutz in Deutschland bei. In ihrer Funktion wird sie unterstützt von Sabine Riewenherm, der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) sowie von weiteren Partnern wie botanischen Gärten in Berlin, Mainz, Potsdam und Regensburg, die gemeinsam etwa 2,9 Millionen Euro über drei Jahre für dieses Vorhaben erhalten werden.

Die Bedeutung artenreicher und genetisch vielfältiger Pflanzenbestände zeigt sich in ihrer Fähigkeit, Ökosysteme zu stabilisieren, Kohlenstoffspeicherung zu fördern und die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu erhöhen. Allerdings wird die Funktionsfähigkeit dieser Systeme durch den Rückgang seltener Wildpflanzen zunehmend gefährdet. WiVi-Klima adressiert dieses Problem, indem es gezielt die Arten stärkt, die für natürliche Lebensräume und Klimafunktionen unverzichtbar sind.

Integrierte Maßnahmen für den Artenschutz

Das Projekt setzt sowohl auf in-situ- als auch ex-situ-Maßnahmen zur Erhaltung gefährdeter Pflanzenarten. Zentrale Aktivitäten umfassen die Sammlung und Sicherung von Wildpflanzensaatgut und den Erhalt genetischer Vielfalt in Genbanken. Zudem steht die Anzucht und Vermehrung gefährdeter Arten sowie die Wiederansiedlung und Unterstützung von Populationen im Vordergrund. Fortbildungsangebote und Dialogangebote sollen den Wissenstransfer fördern und die Öffentlichkeit einbeziehen.

Diese Maßnahmen sind Bestandteil einer umfassenderen Strategie, die durch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) unterstützt wird. Dieses Programm bündelt in Deutschland verschiedene Ansätze, die Klimaschutz mit Naturschutz verbinden. Dabei werden intakte Wälder, Auen, Moorgebiete und küstennahe Ökosysteme als zentrale Themenbereiche angesprochen, wie das Bundesamt für Naturschutz betont.

Langfristige Ziele und Best-Practice-Beispiele

Ein langfristiges fachpolitisches Ziel des Projekts ist die dauerhafte Umsetzung eines bedarfsorientierten Konzepts für botanischen Artenschutz, das über die Jahre hinweg auch durch Bund und Länder gefördert werden soll. Ein weiterer wichtiger Aspekt umfasst die Dokumentation und Präsentation von Best-Practice-Beispielen aus verschiedenen Regionen, um die erfolgreiche Implementierung und die Erkenntnisse der Initiativen überregional zugänglich zu machen.

Die Relevanz solcher Projekte wird zudem im Kontext der naturbasierten Lösungen (NbS) betont, die im Bericht des Umweltbundesamtes hervorgehoben werden. Naturbasierte Lösungen umfassen unter anderem die Renaturierung von Mooren und die Wiederbewaldung, die beide wesentliche Beiträge zum Klimaschutz leisten. Beispielsweise verhindert die Wiedervernässung von trockengelegten Mooren die Freisetzung von CO2 und erhöht die Biodiversität. In Europa gelten 50 % der Moore als degradiert, was die Dringlichkeit solcher Maßnahmen unterstreicht.

Durch die Verbindung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte soll WiVi-Klima ein nachhaltiges Modell für den Schutz der biologischen Vielfalt etablieren, während gleichzeitig wichtige Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Der Aufbau eines bundesweiten Kompetenznetzwerks Botanischer Artenschutz bis 2029 ist das erklärte Ziel dieser ambitionierten Initiative.