Die kanadische Arktis steht im Zentrum intensiver Forschung zum Thema Klimawandel und seine weitreichenden Auswirkungen auf die Umwelt und die dort lebenden Menschen. Emma Cameron, Doktorandin am Institut für Geosysteme und Bioindikation der Technischen Universität Braunschweig, ist regelmäßig in dieser Region unterwegs. Ihre Expeditionen zielen darauf ab, Sedimentproben zu entnehmen, um die Auswirkungen des Klimawandels genauer zu analysieren. Besonders im März 2025 war sie im Mackenzie-Delta aktiv, wo sie Sedimentkerne aus einem gefrorenen See sammelte.

Um diese Proben zu gewinnen, verwendet Cameron einen speziellen Sedimentkernbohrer. Trotz der extrem niedrigen Außentemperaturen von minus 40 Grad Celsius, bei denen sie oft improvisieren muss, bezieht sie ihre Proben direkt aus dem kalten Wasser. Die Herausforderungen sind immens, da die Forschung nicht nur die chemischen Substanzen und biologischen Überreste in den Sedimenten untersucht, sondern auch die Rückstände früherer Öl- und Gasbohrungen im Fokus stehen. Diese Rückstände stellen ein potenzielles Risiko dar, da das Auftauen des Permafrosts giftige Bohrfluide in die Gewässer freisetzen könnte. Die Wissenschaftlerin ist Teil des europäischen Forschungsverbunds „ThinIce“, der sich mit den Veränderungen in arktischen Seen beschäftigt und eng mit der arktischen Gemeinschaft zusammenarbeitet, die sie bei der Probenentnahme unterstützt.

Umweltgefahren durch Permafrost-Auftauen

Die Gefahren durch das Auftauen der Permafrostböden sind nicht nur akademischer Natur. Eine Studie von Experten aus Österreich, Dänemark und Schweden, veröffentlicht im Fachjournal DW, zeigt eindringlich, dass bis zu drei Millionen Menschen in arktischen Regionen von den negativen Folgen betroffen sind. Diese Veränderungen, die unter anderem die Zerstörung der Infrastruktur und Probleme mit Transport- und Nachschubwegen betreffen, bedrohen die Lebensweise vieler indigener Gemeinschaften.

Das Tauen des Untergrunds kann erhebliche Risiken erzeugen, darunter eine Verschlechterung der Wasser- und Nahrungsmittelversorgung sowie die Freisetzung schädlicher Stoffe aus alten Öl- und Gasgruben. Susanna Gartler, Hauptautorin der Studie, betont, dass es sich um bereits fortschreitende Entwicklungen handelt, die in diesen Regionen verheerende Folgen haben können. Erdrutsche und verstärkte Erosion in Küstengebieten sind einige der unmittelbaren Konsequenzen. Ein Beispiel ist der Erdrutsch in Nuugaatsiaq, Grönland, im Jahr 2017, der einen Tsunami auslöste und große Schäden anrichtete.

Traditionelle Lebensweise und Anpassungsfähigkeit

Die betroffenen Gebiete, wie Grönland, Spitzbergen und die russische Republik Sacha, sind nicht nur geologisch empfindlich, sondern auch Heimat zahlreicher indigener Menschen, deren traditionelle Lebensweise stark gefährdet ist. Trotz der besorgniserregenden Studienergebnisse äußern viele dieser Menschen Zuversicht und betonen ihre Fähigkeit, sich an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Cameron sieht ihre Forschung als Verantwortung gegenüber diesen Gemeinschaften, die auf die Seen angewiesen sind. Langfristig soll sie helfen, Umwelt-Risiken besser einzuschätzen und ein gezieltes Umweltmonitoring zu ermöglichen, während sie zugleich die Dringlichkeit des Themas Klimawandel vor Augen führt.

Die Expeditionen in die Arktis werden fortgesetzt, und es warten zahlreiche Sedimentkerne auf ihre Auswertung. Cameron und ihr Team stehen also vor der Herausforderung, wertvolle Erkenntnisse über eine sich schnell verändernde Umwelt zu gewinnen, um letztendlich auch den Menschen in der Region, die unter diesen Veränderungen leiden, beistehen zu können.