Eine aktuelle Studie, die in Zusammenarbeit zwischen dem UK Centre for Ecology and Hydrology und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchgeführt wurde, beleuchtet die kritische Lage der Biodiversität in Großbritannien. Die Forschung prognostiziert, dass innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte die Klima- und Landnutzungspolitik entscheidend über das Überleben zahlreicher heimischer Vogel-, Schmetterlings- und Pflanzenarten entscheiden wird. Dies berichtet das KIT.
Die umfassende Analyse modelliert die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf kleinere Lebensräume von nur einem Quadratkilometer und kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Unabhängig vom gewählten Szenario versäumen es alle Modelle, die bestehenden Biodiversitätsziele zu erreichen. Im schlimmsten Fall, bei starkem fossilen Energieeinsatz, intensiver Landwirtschaft und Urbanisierung, könnten mehr als 200 Arten aussterben. Diese beunruhigenden Vorhersagen zeigen auch, dass selbst bei moderater Erwärmung erhebliche Veränderungen im Ökosystem zu erwarten sind.
Auswirkungen von Landnutzung und Klimawandel
Die Analyse stützt sich auf präzise Landnutzungs- und Bewirtschaftungsdaten, erzeugt mit dem Landnutzungsmodell CRAFTY-GB. Dieses Modell liefert realistische Projektionen künftiger Entscheidungen zur Landnutzung und berücksichtigt klimaspezifische sowie sozioökonomische Faktoren. Laut der Studie ist eine umfassende Betrachtung in der Biodiversitätsmodellierung selten, dennoch spielt sie eine zentrale Rolle für die Ergebnisse der Untersuchung. Die Forscher betonen, dass ambitionierter Klimaschutz, nachhaltiges Landmanagement und eine gesellschaftliche Wertschätzung für die Natur entscheidende Maßnahmen sind, um erhebliche Artenverluste zu verhindern.
Im Rahmen des Nationalen Begleitprozesses zur Biodiversitätsstrategie (NBS) 2030 wird seit 2019 ein breites Spektrum an Maßnahmen ergriffen, um die natürlichen Lebensräume und Arten zu schützen. Das BfN hebt hervor, dass der Initiationsprozess qualitative Status-Quo-Analysen zur Verwirklichung der strategischen Ziele der NBS 2007 umfasste und zahlreiche Stakeholder-Workshops sowie Fachinterviews mit über 70 gesellschaftlichen Akteuren durchgeführt wurden.
Diese Erkenntnisse flossen in den ersten Entwurf des Ziele- und Maßnahmenkatalogs zur NBS 2030 ein, der 21 Handlungsfelder mit spezifischen Zielen bis 2030 und 2050 umfasst. Bis zum 9. Juli 2023 konnten Bürger und Institutionen ihre Kommentare zu diesem Entwurf einbringen. Eine rege Beteiligung von über 2000 Personen an der Umfrage und fast 1.000 eingegangenen Kommentaren belegen das hohe Interesse und die Dringlichkeit des Themas.
Gesellschaftliches Engagement und Biodiversitätsschutz
Besonders die Handlungsfelder Agrarlandschaften, Schutzgebiete und Wälder stützen sich auf zahlreiche Kommentare, die die Wichtigkeit dieser Themen unterstreichen. Im Gegensatz dazu gab es weniger Rückmeldungen zu Aspekten wie Klimawandel und Gesundheit, was auf unterschiedliche Prioritäten innerhalb der gesellschaftlichen Diskussion hindeutet. Die BfN betont, dass die Einbeziehung gesellschaftlicher Akteure entscheidend für die Umsetzung der NBS 2030 und den Schutz der biologischen Vielfalt ist.
Zusammenfassend zeigt die Forschung des KIT und des UK Centre for Ecology and Hydrology sowie die Fortschritte der NBS 2030, wie dringend Veränderungen in der Politik und im gesellschaftlichen Bewusstsein notwendig sind, um die biologische Vielfalt in Großbritannien und darüber hinaus zu sichern.