In Deutschland ist Adipositas zu einer ernstzunehmenden Herausforderung geworden, die nicht nur Millionen von Menschen betrifft, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Prof. Dr. André Kleinridders wird den Kongress der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) 2026 leiten, der vom 23. bis 25. September 2026 an der Universität Potsdam stattfinden wird. Der Kongress zielt darauf ab, aktuelle Präventions- und Therapieansätze sowie neueste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zur klinischen Praxis vorzustellen.
Aktuellen Statistiken zufolge sind fast die Hälfte der Frauen und über 50 Prozent der Männer in Deutschland übergewichtig, was Adipositas betrifft etwa 17 Millionen Menschen. Diese chronische Krankheit wird von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina als Epidemie bezeichnet. Trotz diverser Präventionsstrategien gibt es keinen Rückgang der Erkrankungshäufigkeit, sodass eine umfassende Maßnahme zur Bekämpfung von Adipositas notwendig ist.
Epidemie der Adipositas
Ungefähr ein Viertel der Erwachsenen und jedes sechste Kind in Deutschland leidet an starkem Übergewicht. Die volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas und Übergewicht belaufen sich jährlich auf etwa 113 Milliarden Euro, was rund 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. wesentlich ist, dass die gesundheitlichen Folgen von Adipositas diverse chronische Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes begünstigen.
In einem aktuellen Positionspapier fordert die Leopoldina ein umfassendes Maßnahmenpaket, das frühe Prävention, Gesundheits- und Bewegungsprogramme in Bildungseinrichtungen, sowie eine Zuckersteuer umfasst. Auch Werbeverbote für ungesunde Produkte, insbesondere für Kinder, werden angeregt. Darüber hinaus wird die Förderung digitaler und telemedizinischer Angebote als essentiell erachtet.
Therapieansätze und gesellschaftliche Verantwortung
Die Teilnehmer des Kongresses werden ein interdisziplinäres Handeln befürworten, um nachhaltige Erfolge in der Prävention und Therapie zu erzielen. Ein Augenmerk liegt dabei auf neuen therapeutischen Ansätzen, wie zum Beispiel Inkretin-Mimetika, oft auch als Abnehmspritze bekannt. Der Zugang zu modernen Medikamenten wird jedoch durch hohe Kosten und gesetzliche Regelungen erschwert. Der Paragraf 34 des Sozialgesetzbuches schließt derzeit die Kostenübernahme für Medikamente zur Steigerung der Lebensqualität aus.
Das Robert Koch-Institut (RKI) verfolgt regelmäßig die Trends bezüglich Übergewicht und Adipositas und untersucht deren Zusammenhänge mit Lebensstilfaktoren. In Anbetracht der Public-Health-Relevanz ist die Bekämpfung von Adipositas nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.
Die erste Registrierung und Abstract-Einreichung für den Kongress öffnen Ende Februar 2026, wobei Studierende eine ermäßigte Teilnahmegebühr von 60 Euro zahlen können. Mit der internationalen Ausrichtung durch die European Association for the Study of Obesity (EASO) wird der Kongress einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Adipositas leisten.