Die Lehrambulanz der Universität Witten/Herdecke (UW/H) wird ab April 2026 kostenlose Psychotherapieplätze für Erwachsene anbieten. Dieses innovative Angebot, das durch die Reform des Psychologie-Masterstudiums und die neue Approbationsordnung ermöglicht wurde, zielt darauf ab, die steigende Nachfrage nach psychologischen Therapien zu bedienen. Die Kapazitäten der Lehrambulanz wurden in den letzten Monaten erheblich ausgeweitet, sodass derzeit Plätze verfügbar sind. Master-Studierende des Fachbereichs Psychologie mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie leiten die Therapiesitzungen unter der Aufsicht erfahrener Therapeut:innen, was eine intensive Lernumgebung schafft.
Folgend auf ein Erstgespräch und eine diagnostische Phase, umfasst die Therapie insgesamt zwölf Einzeltherapiesitzungen, die wöchentlich stattfinden. Am Ende des Prozesses erhalten die Teilnehmenden einen Abschlussbericht. Dr. Johannes Graser, ein Lehrtherapeut an der UW/H, hebt hervor, dass die Wirkungen der Therapie durch Berufsanfänger dank engmaschiger Supervision und intensiver Vor- und Nachbereitung vergleichbar mit den Ergebnissen erfahrener Therapeuten sind. Jede Sitzung wird sorgfältig vorbereitet und alle zwei Wochen findet eine Supervision statt, um die Qualität der Therapie zu gewährleisten.
Wichtiger Beitrag zur psychischen Gesundheitsversorgung
Die Lehrambulanz stellt nicht nur eine wertvolle Ressource für die Studierenden dar – die damit verbundene praktische Erfahrung erleichtert ihren Berufseinstieg – sondern auch für die Gesellschaft. Die Tatsache, dass alle psychischen Erkrankungen behandelt werden, mit Ausnahme von Suchtpatient:innen, die von bestimmten Substanzen abhängig sind, zeigt das breite Spektrum der Versorgung. Die Therapieplätze sind kostenlos und werden nicht über die Krankenkasse abgerechnet; die Therapie endet nach zwölf Sitzungen.
Die Initiative ist besonders relevant, da der Arbeitsausfall aufgrund psychischer Erkrankungen im Jahr 2022 einen neuen Höchststand erreicht hat. Laut Daten der Technischen Hochschule Deggendorf hat es in den letzten zehn Jahren einen Anstieg von 48 Prozent bei Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen gegeben. Besonders beunruhigend ist die Verdopplung der Anzahl depressiver Störungen und Angsterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Vergleich zur Zeit vor der Covid-19-Pandemie.
Reaktionen auf den Fachkräftemangel
Angesichts des mangelhaften Angebots an spezialisierten Fachkräften im Bereich der psychosozialen Versorgung hat die Technische Hochschule Deggendorf einen neuen Masterstudiengang in „Psychische Gesundheit“ ins Leben gerufen. Dieser interdisziplinäre und praxisorientierte Studiengang richtet sich an Personen in Gesundheitsberufen wie Psychologie, Soziale Arbeit, Pflege und Physician Assistant. Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die die Versorgungslandschaft aktiv mitgestalten. Die hohe Nachfrage nach professioneller Prävention psychischer Erkrankungen macht diesen neuen Studiengang besonders attraktiv.
Die Herausforderungen in der psychosozialen Versorgung, wie lange Wartezeiten für ambulante Psychotherapie, sind bedeutend. Die Resonanz auf die neuen Programme signalisiert jedoch Fortschritte in der Verbesserung der psychosozialen Infrastruktur, sowohl in der Ausbildung von Fachkräften als auch in der praktischen Therapieofferierung.
Interessierte, die an den Therapieplätzen der Lehrambulanz der UW/H interessiert sind, können sich telefonisch oder per E-Mail an die Einrichtung wenden. Das Ziel bleibt klar: eine deutliche Entlastung und Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung in der Region.