Die Metastasenbildung bleibt eine der größten Herausforderungen in der Krebsforschung. Ein Forschungsteam am Institut für Genetik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) hat bedeutende Fortschritte bei der Aufklärung der molekularen Mechanismen erzielt, die das Ansiedeln von Krebszellen in anderen Geweben ermöglichen. Diese Ergebnisse wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
Metastasen, die Tochtergeschwulste von Krebszellen, sind nach wie vor das zentrale Problem bei vielen Krebsarten. Schätzungen zufolge sterben rund 90 Prozent der Krebspatienten nicht an ihrem Primärtumor, sondern an Metastasen. Die Arbeitsgruppe um Dr. Tobias Reiff konzentriert sich insbesondere auf Darmtumoren, die häufig erst spät entdeckt werden. „Die frühe Entdeckung von Tumoren verbessert die Erfolgsaussichten von Therapien, zu denen Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien gehören“, so Reiff.
Mechanismen der Metastasierung
Ein zentrales Element der Forschung ist das Verständnis, wie Zellen sich vom Primärtumor abspalten und über Blut- oder Lymphkreislauf streuen können. Die Gruppe nutzt den Modellorganismus Drosophila melanogaster (Fruchtfliege), um die Mechanismen der Metastasierung besser zu verstehen. „Genetische Ähnlichkeiten zwischen der Drosophila und menschlichen Tumoren bieten uns wertvolle Einblicke“, erläutert Reiff.
Um die Zellmigration zu untersuchen, wird moderne Lasermikroskopietechnik eingesetzt. Ein neu entwickelter Experimentieransatz namens „Hamelin Assay“ bestimmt die Wanderrichtung der Zellen im Darm. Die Forscher identifizierten Signalmoleküle, insbesondere Netrine, und den Rezeptor DCC, die eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Zellabspaltung und ihrer Verbreitung spielen. Bei etwa 65 Prozent der Darmkrebspatienten zeigen sich Veränderungen im DCC-Rezeptor, was auf die Bedeutung der Netrine für die Krebsverbreitung hinweist.
Neuroendokrine Tumoren im Fokus
Ein weiterer Bereich der Krebsforschung sind neuroendokrine Tumoren, die vorwiegend in neuroendokrinen Zellen entstehen und im Verdauungstrakt sowie in der Bauchspeicheldrüse vorkommen. Diese Tumoren, die sowohl gut- als auch bösartig sein können, zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, Hormone freizusetzen. Besonders häufig entstehen sie im Dünndarm, Dickdarm und Blinddarm. Einige führen zu Symptomen durch Hormonüberproduktion, während andere, die nicht funktionell sind, keine Hormone abgeben und manchmal dennoch Probleme verursacht können.
Die Behandlung dieser Tumoren erfolgt in der Regel operativ. Für Patienten mit nicht operierbaren funktionalen Tumoren stehen Medikamente wie Octreotid und Lanreotid zur Verfügung, welche die Hormonproduktion beeinträchtigen oder das Tumorwachstum verlangsamen können. Bei bösartigen, metastasierten Formen ist Chemotherapie das gängige Therapieverfahren.
Zusammenfassend zeigen diese Entwicklungen, wie wichtig die Erforschung der Metastasierungsmechanismen sowie die Behandlung neuroendokriner Tumoren sind, um Fortschritte in der Krebsmedizin zu erzielen. Die aktuellen Studienergebnisse und Therapiekonzepte könnten dazu beitragen, die Überlebenschancen vieler Patienten entscheidend zu verbessern.



