In den letzten vier Jahren sind Hunderte Kulturerbestätten in der Ukraine durch den Krieg gegen Russland erheblich beschädigt worden. Diese verheerenden Verluste an kulturellem Erbe stehen im Fokus der Fotoausstellung „Krieg zerstört Denkmäler: Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine“, die derzeit im Hauptgebäude der Viadrina in Frankfurt (Oder) stattfindet. Die Ausstellung wurde von Renata Hanynets, einer Doktorandin am Lehrstuhl für Denkmalkunde, organisiert und trägt zu einem wichtigen Bewusstsein über die Tragödien bei, die das kulturelle Erbe der Ukraine in Mitleidenschaft gezogen haben. Diese Initiative hebt den materiellen und symbolischen Verlust hervor, der durch die Zerstörung von Museen, Archiven und Kirchen entsteht, und thematisiert dessen geringe mediale Aufmerksamkeit.

Die Ausstellung, die täglich bis zum 27. März 2026 zu sehen ist, umfasst 20 Fotos von beschädigten Gebäuden aus verschiedenen Städten der Ukraine. Diese Bilder stammen aus der Sonderkategorie „War Destroys Monuments“ des internationalen Fotowettbewerbs Wiki Loves Monuments. Für Interessierte wird eine englische Führung durch die Ausstellung am Mittwoch, dem 18. März, um 16:00 Uhr angeboten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das Hauptgebäude der Viadrina hat von Montag bis Freitag von 6:00 bis 21:00 Uhr, Samstag von 8:30 bis 19:00 Uhr und Sonntag von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.

Die Zerstörung des kulturellen Erbes

Die Zerstörung an Kulturstätten in der Ukraine ist alarmierend. Laut einer Liste, die von verschiedenen Quellen erstellt wurde, sind seit dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022 insgesamt 485 kulturelle Stätten beschädigt oder zerstört worden. Diese umfassen 149 religiöse Stätten, 257 historische und künstlerische Gebäude, 34 Museen, 33 Denkmäler und 18 Bibliotheken, wobei Regionen in Frontnähe wie Donezk und Charkiw zu den am meisten betroffenen zählen. Auch die Stadt Odessa verzeichnet 57 beschädigte Kulturstätten, darunter die Christi-Verklärungs-Kathedrale, die 2023 durch russische Raketenangriffe getroffen wurde. Diese Kathedrale gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und hat eine eigene tragische Geschichte, da sie bereits 1936 während einer antireligiösen Kampagne von Stalin zerstört wurde.

Der Historiker Jan Claas Behrends beschreibt die Angriffe auf die ukrainische Kultur als einen Versuch des Kremls, die ukrainische Identität auszulöschen. Diese Sichtweise wird durch zahlreiche Berichte gestützt, die den kulturellen Ausschluss und die Zerstörung als Teil einer längerfristigen Strategie dokumentieren. Bereits im Jahr 2014, mit der Annexion der Krim, begannen die ersten umfassenden Übergriffe auf kulturelle Güter, die bis heute andauern.

Kritische Stimmen und internationale Reaktionen

Die Vereinten Nationen, einschließlich der UNESCO, arbeiten eng mit den ukrainischen Behörden zusammen, um die Schäden an kulturellem Erbe zu dokumentieren und die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Das Haager Übereinkommen von 1954, das Kulturgüter in bewaffneten Konflikten schützt, betrachtet die vorsätzliche Zerstörung von Kulturgut als Kriegsverbrechen. Historisch betrachtet hat der Krieg gegen die ukrainische Kultur tiefe Wurzeln, die bis zu Erlass von 1876 zurückreichen, als die Verwendung der ukrainischen Sprache verboten wurde.

Die fortwährenden Angriffe auf Kulturerbe werfen nicht nur Fragen nach der Verantwortung für die geschichtliche Bewahrung auf, sondern auch nach der zukünftigen Identität der Ukraine. Der Verlust kultureller Stätten ist nicht nur ein Verlust für das Land selbst, sondern für alle, die das reiche kulturelle Erbe der Ukraine schätzen. Die Fotoausstellung in der Viadrina stellt einen Schritt in Richtung des Bewusstseins für diese verlierende Erbschaft dar und möchte die Besucher dazu anregen, sich mit dieser traurigen Realität auseinanderzusetzen.