Die Situation in der Ukraine bleibt angesichts des anhaltenden Konflikts mit Russland angespannt. Nils-Christian Bormann, Konfliktforscher der Universität Witten/Herdecke, verdeutlicht, dass sich die militärische Lage im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat. Innerhalb von drei Monaten sind fast 100.000 russische Soldaten gefallen, während Russland nur geringe Geländegewinne erzielt hat. Der Krieg wird zunehmend als Abnutzungskrieg charakterisiert, was die Durchhaltefähigkeit beider Staaten an die erste Stelle setzt. Bormann betont, dass Putins Macht zwar stabil zu sein scheint, dennoch auf einem wackeligen Fundament stehen könnte, da Medienberichte auf eine wachsende Unzufriedenheit hinweisen. Die Uni Witten/Herdecke erklärt, dass der Druck durch Inflation und strukturelle Ungleichgewichte in Russland zunimmt.

Auf der anderen Seite erhält die Ukraine breite gesellschaftliche Unterstützung und finanzielle Hilfe aus der EU. Die größte Gefahr für die Ukraine ist die Mobilisierung einsatzfähiger Soldaten. Während Russland an seinen Kriegszielen wie der Kontrolle über den Donbass festhält, signalisiert die derzeitige Situation, dass diese nicht erreichbar sind. Ein Ende des Krieges ohne militärischen Erfolg könnte für Putin erhebliche innenpolitische Risiken bergen. Langfristig steht Russland vor der Herausforderung, von einer Kriegs- auf eine Friedenswirtschaft umzuschalten und zurückkehrende Soldaten reintegrieren zu können.

Verluste und Rekrutierungssituation

Die Einschätzung der Kräfteverhältnisse im Ukraine-Krieg zeigt, dass Russland derzeit mehr Soldaten als Munition hat. Mit ungefähr 1,2 Millionen Soldaten, die getötet oder schwer verwundet wurden, sind die Verluste Russlands in den letzten Monaten signifikant gestiegen. Laut dem Tagesspiegel könnte das Land eine kritische Phase der Rekrutierung erreichen. Im Januar 2025 verlor die russische Armee beispielsweise 9.000 Soldaten mehr, als rekrutiert werden konnten.

monatliche Verluste liegen zwischen 30.000 und 35.000 Soldaten. Ein Grund, warum die russische Armee unter Druck steht, ist die Zunahme der Desertationen und die Herausforderung, eine ausreichende Anzahl an geeignetem Personal zu rekrutieren. Zudem steigt der Anteil an Kriminellen und Verletzten, die in die Armee aufgenommen werden. Die unterstützenden politischen Überlegungen, eine unpopuläre Mobilmachung zu vermeiden, um den Mittelstand nicht zusätzlich zu belasten, schränken die Rekrutierungsmöglichkeiten ein.

Langfristige Risiken für Russland und Europa

Die wirtschaftlichen Probleme Russlands, einschließlich fehlender gut ausgebildeter Arbeitskräfte, können die militärischen Operationen zusätzlich beeinträchtigen. Michael Kofman, ein US-Experte, hebt hervor, dass die Zeit gegen Russland arbeitet und sich negative Trends verschärfen könnten. Dies könnte dazu führen, dass Russland in diesem Jahr keine größeren strategischen Durchbrüche erzielt.

Die Leibniz-Gemeinschaft hat frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Russland zu hinterfragen und Unterstützung für gefährdete Wissenschaftler zu leisten. Die Analyse der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Frieden, Sicherheitspolitik und internationale Beziehungen wird durch verschiedene Institute der Gemeinschaft vorangetrieben. Insbesondere das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung bietet umfassende Informationen und Perspektiven zur aktuellen Lage und den langfristigen Folgen des Konflikts an.

Die europäische Sicherheitsordnung nach dem Krieg stellt eine strategische Leerstelle dar. Europa hat militärisch aufgerüstet, jedoch gibt es bislang keine klaren Konzepte für den Umgang mit Russland im Nachgang des Konflikts. Diese Unsicherheiten könnten auch in Zukunft sicherheitspolitische Herausforderungen für den Kontinent darstellen.