Im Januar 2026 kam es in Niedersachsen aufgrund widriger Witterungsbedingungen zu einem massiven Unterrichtsausfall. Während dieser Zeit waren die Schulen laut Verwaltungsvorschriften verpflichtet, eine Notbetreuung anzubieten, und der Distanzunterricht wurde als optional deklariert. Das Niedersächsische Kultusministerium meldete, dass viele Schulen umfassende und gut angenommene Betreuungsangebote machten. Dennoch brachte eine umfassende Umfrage des Instituts für Bildungswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg, die rund 3.250 Eltern in Niedersachsen befragte, überraschende Ergebnisse zutage.
Die Umfrage ergab, dass 50,46% der befragten Kinder Gymnasien und 25% Grundschulen besuchen. Ganz konkret fiel für etwa 90% der befragten Schüler der Unterricht an den Tagen des 9. und 12. Januar aus. Lediglich ca. 20% der Schulen boten Distanzunterricht an, welcher in den meisten Fällen jedoch genutzt wurde. Die Notbetreuung wurde etwa der Hälfte der Eltern angeboten, aber nur von 1,5% in Anspruch genommen. Viele Eltern konnten ihre Kinder an diesen Tagen im familiären Umfeld oder während des Home-Office betreuen.
Elternkritik am Krisenmanagement der Schulen
Die Umfrage brachte Ernüchterung: Die befragten Eltern gaben den Schulen eine durchschnittliche Schulnote von 2,7 für ihr Krisenmanagement. Während einige Schulen eine Notbetreuung anboten, wurde diese von den Eltern oft als wenig attraktiv empfunden. Freitextantworten zeigten, dass viele Eltern die Betreuungszeiten als unzureichend erachteten und einige Schulen sogar darum baten, diese Möglichkeit nicht zu nutzen.
Professor Marc Kleinknecht von der Leuphana Universität betont, dass die tatsächliche Wahrnehmung der Eltern bezüglich des Krisenmanagements nicht so positiv war, wie dies vom Ministerium dargestellt wird. Er sieht die Notwendigkeit, dass verlässlicher Unterricht und professionell ausgebildete Lehrkräfte für Bildungsgerechtigkeit von immenser Bedeutung sind.
Die längerfristigen Auswirkungen von Schulschließungen
Die Corona-Pandemie hat sich seit dem ersten Lockdown im März 2020 stark auf das Bildungsystem in Deutschland ausgewirkt. Es wird geschätzt, dass zwischen 350 und 800 Unterrichtsstunden für Schüler ausgefallen sind. Die Qualität des digitalen Distanzunterrichts war dabei äußerst variabel und hing stark von der jeweiligen Schulform ab. Es stellt sich die Frage, wie Schüler aus sozial schwächeren Verhältnissen im Vergleich zu ihren leistungsstärkeren Mitschülern betroffen sind. Während leistungsschwächere Schüler noch größere Lernrückstände verzeichnen, stehen Schüler aus Akademikerfamilien tendenziell besser da.
In einer deutschlandweiten Umfrage unter über 2.000 Eltern wurde der Alltag von Schulkindern während der Schulschließungen im Jahr 2021 untersucht. Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede in den Lernmöglichkeiten und dem sozialen Wohlbefinden der Schüler. Die Eltern hatten zudem die Möglichkeit, das häusliche Lernumfeld einzuschätzen und Maßnahmen zu bewerten, die Schulen ergriffen hatten, um den Unterricht aufrechtzuerhalten.
Bildungspolitische Lösungswege
Um den Lernrückständen zu begegnen, diskutiert die Bildungspolitik verschiedene Wege. Eine zentrale Empfehlung ist, sich auf die Kernkompetenzen in Deutsch und Mathematik zu konzentrieren. Fünf bildungspolitische Lösungsansätze wurden erörtert, um Ungleichheiten abzubauen und Mindeststandards in den Kernfächern zu sichern:
- Nachhilfe und zusätzlicher Unterricht an Samstagen oder in den Ferien.
- Freiwillige Wiederholung eines Schuljahres.
- Wiederholung des gesamten Schuljahres für alle Schüler.
- Weglassen von vermeintlich überflüssigem Lernstoff.
- Verlängerung der Schulzeit zur Sicherung des Lernstoffs.
Die allgemeinen Einschätzungen bestätigen, dass die pandemiebedingten Schulschließungen weitreichende Auswirkungen auf die Bildungschancen von Schülern haben. Während viele Lösungen in der Diskussion stehen, muss erkannt werden, dass ein systematisches Vorgehen notwendig ist, um die teils gravierenden Lernrückstände aufzuarbeiten und langfristige negative Entwicklungen zu vermeiden.
Zu diesen Themen haben die Berichte von Leuphana Universität, Reutlingen University und bpb wichtige Einblicke vermittelt. Der Handlungsbedarf ist offensichtlich, und es wird Zeit notwendig sein, um die durch die Corona-Schuljahre verursachten Schäden adäquat zu bewerten.