Immer mehr Schulen integrieren Künstliche Intelligenz (KI) in den Bildungsalltag. Dabei steht der verantwortungsvolle Umgang mit dieser Technologie im Mittelpunkt. Lehrkräfte benötigen dafür spezifische Kompetenzen, die nun durch ein neu entwickeltes Zertifikatsprogramm gefördert werden sollen. Unter der Leitung von Johannes Huwer, einem Bildungsforscher der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau, entsteht das Projekt „Ki-Kompetenzen für die Naturwissenschaften“ (KiKoN). Dieses Programm soll Lehrenden das notwendige Wissen an die Hand geben, um KI effektiv im Unterricht zu integrieren. uni-konstanz.de berichtet, dass KiKoN durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre mit rund 400.000 Euro gefördert wird.

Das Bildungsprojekt startet am 1. April 2026 und zielt darauf ab, KI als Schlüsselkompetenz in der schulischen Ausbildung zu verankern. Das Programm wird nicht nur technische Fähigkeiten vermitteln, sondern auch pädagogische und didaktische Ansätze einschließen. Darüber hinaus wird es sich mit den Chancen, Risiken, ethischen Überlegungen und rechtlichen Rahmenbedingungen von KI auseinandersetzen. Der DiKoLAN-KI-Kompetenzrahmen, der 2024 entwickelt wurde, wird in die Ausbildung der Lehrkräfte integriert.

Inhalte und Zielgruppen

Das Pilotprogramm wird an der Universität Konstanz sowie an der Pädagogischen Hochschule Thurgau und der Pädagogischen Hochschule Freiburg durchgeführt. Die Inhalte des Programms umfassen Grundlagen von KI, Maschinelles Lernen, Large-Language-Models und den Einsatz von generativer KI im Unterricht. Die Zielgruppe sind zunächst Lehramtsstudierende und langfristig alle Studierenden der Naturwissenschaften. Die Initiatoren hoffen, dass KiKoN als „Best Practice“ auf andere Hochschulen ausgeweitet wird.

Das wachsende Interesse an KI im Bildungsbereich zeigt sich auch in den Entwicklungen rund um das AI Literacy Framework der Europäischen Kommission und der OECD. Laut dem KI-Campus wird dieses Framework als Orientierung für KI-Kompetenzen in der Primar- und Sekundarstufe dienen und soll im Mai 2025 veröffentlicht werden. Es wird in Verbindung mit der PISA-Studie 2029 entwickelt, die sich mit Medien- und KI-Kompetenzen auseinandersetzt.

Kompetenzbereiche und Praxisrelevanz

Das AI Literacy Framework definiert KI-Kompetenzen als technisches Wissen, nachhaltige Fähigkeiten und zukunftsorientierte Einstellungen im Umgang mit KI. Die vier zentralen Bereiche, die adressiert werden, sind:

  • Engage with AI: KI im Alltag erkennen und kritisch hinterfragen.
  • Create with AI: KI kreativ und verantwortungsvoll nutzen.
  • Manage AI: Entscheiden, wann KI sinnvoll eingesetzt wird.
  • Design AI: Grundprinzipien von KI-Systemen verstehen und gestalten.

Ein Beispiel aus dem Bereich „Engage with AI“ zeigt, wie Schüler:innen lernen können, Empfehlungsalgorithmen zu verstehen und deren Auswirkungen auf ihr tägliches Leben zu reflektieren. Diskussionen und Feedback-Prozesse mit Lehrkräften und Bildungswissenschaftlern haben ergeben, dass die Praxisnähe und leicht zugängliche Materialien entscheidend sind, um die KI-Kompetenzen tatsächlich in den Schulalltag zu integrieren.

Insgesamt wird die Förderung von KI-Kompetenzen auch von der Politik und den Bildungseinrichtungen als entscheidend erachtet, um die Rahmenbedingungen für diese innovative Bildung zu schaffen. Das Ziel ist es, bis 2026 ein umfassendes und systematisches Konzept zu entwickeln, das KI-Kompetenzen in Schulen und Hochschulen verankert.

Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert nicht nur das Programm KiKoN, sondern unterstützt in diesem Jahr innovative Lehrprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 46 Millionen Euro. Damit wird die Integrationsfähigkeit von KI in der Bildung nachhaltig gestärkt und die Grundlage für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dieser Technologie gelegt.