Die Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning in der Strafverfolgung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Professorin Liane Wörner thematisierte dieses Thema in ihrem Vortrag, der im Rahmen der Ruperto Carola Ringvorlesung an der Universität Heidelberg stattfand. Wörner, die in Konstanz das Zentrum für Human | Data | Society leitet, unterstrich die rechtlichen und tatsächlichen Herausforderungen, die mit dem Einsatz dieser Technologien einhergehen, betonte aber auch deren großes Potenzial für die Polizei und Strafverfolgung. Es sei wichtig, die Freiheitsrechte zu schützen und einen kritischen Dialog über die gemeinsame Gestaltung der digitalen Welt zu führen, so Wörner. Weitere Informationen können auf dem Portal der Universität Heidelberg gefunden werden.

Ihre Ausführungen fügen sich nahtlos in die aktuellen Herausforderungen, die bei der Implementierung von KI in der Polizeiarbeit diskutiert werden. So fand am 27. Mai 2025 das 3. IPA Fachforum in Stuttgart statt, das sich ebenfalls mit Chancen und Herausforderungen der KI in der Polizeiarbeit auseinandersetzte. Jürgen Mathies, Staatssekretär a.D. aus Nordrhein-Westfalen, eröffnete die Veranstaltung. Eine zentrale Frage stellte Philipp Kurz, Präsident der IPA Deutschland: „Wie viel KI braucht unser Rechtsstaat – und wie viel hält er aus?“ In diesem Kontext wurde auch betont, dass trotz der Vorteile der Technologie der Mensch in der Polizeiarbeit unverzichtbar bleibt.

Technologische Entwicklungen und Herausforderungen

Ein wichtiges Thema des Fachforums war die Verantwortung der Polizei im Umgang mit KI. Andreas Stenger, Präsident des LKA Baden-Württemberg, sprach über die ethischen Dimensionen des Einsatzes von KI in der Polizeiarbeit, während Bernhard Lacker vom LKA die Auswirkungen der Technologie auf Kriminalität thematisierte. Timo Mix stellte praxisnahe Beispiele vor, darunter den bemerkenswerten Einsatz von KI zur Erkennung von Wildschweinen im Fall der vermeintlichen Löwin in Berlin 2023.

KI findet auch Verwendung in der Telekommunikationsüberwachung, wo sie eingesetzt wird, um Sprache zu übersetzen und relevante Informationen zu kategorisieren. Diese technische Unterstützung erleichtert die Ermittlungsarbeit erheblich. Darüber hinaus wurden Herausforderungen rund um die Cloud-Speicherung von Daten erörtert. Lukáš Vilím aus der Tschechischen Republik berichtete von den Fortschritten, die mit historischen Daten durch den Einsatz von KI erzielt werden konnten.

Gesichtserkennung und Hasskommentaranalyse

Ein weiterer spannender Aspekt war der Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien, vorgetragen von Lena Bowitz und Patrick Rolfes vom Bundeskriminalamt. Sie erläuterten, wie KI dabei hilft, die Fehlerrate erheblich zu reduzieren. Prof. Dr. Melanie Siegel von der Hochschule Darmstadt präsentierte ein System zur automatisierten Analyse von Hasskommentaren im Internet, ein Bereich, der immer wichtiger wird.

Das Fachforum schloss mit einer Podiumsdiskussion über „Hass und Hetze im Netz – Detektion mittels KI und Klassifikation“, bei der Experten aus verschiedenen Bereichen ihre Sichtweisen austauschten. Ziel der Veranstaltung war es, Fachleute aus Sicherheitsbehörden und der Wissenschaft miteinander zu vernetzen und den Dialog über den Einsatz von KI in der Polizei voranzutreiben. Mehr Informationen zum Fachforum sind auf der Webseite der IPA Deutschland verfügbar.