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Dr. Clizia Franceschini, eine Stipendiatin der Alexander von Humboldt Stiftung, widmet sich im Projekt INHERENT (Intangible Religious Heritage and Religious Groups) dem Schutz des immateriellen kulturellen Erbes, insbesondere in Brandenburg. An der Viadrina in Frankfurt (Oder) arbeitet sie an der Schnittstelle zwischen Religion und Kultur. Kürzlich fand ein Online-Workshop, der am 24. und 25. März 2026 stattfand, statt. Dieser brachte Expert*innen aus Europa, Nordamerika, Australien und Lateinamerika zusammen.

Der Workshop fokussierte den Zusammenhang zwischen immateriellem und materiellem religiösem Kulturerbe und stellte die besonderen Bedingungen in Brandenburg heraus. Auffällig ist, dass 80 % der Bevölkerung in dieser Region als Atheist*innen gelten. Dies hat direkten Einfluss auf das Bewusstsein für immaterielles Kulturerbe, was d. h. Franceschini in ihren Forschungen betont.

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Die Herausforderungen des kulturellen Erbes

In ihrer Arbeit kritisiert Franceschini den aktuellen Rechtsrahmen, der den Schwerpunkt hauptsächlich auf materielle Artefakte legt. Sie hebt hervor, dass immaterielles Kulturerbe einen essenziellen Bestandteil des materiellen Kulturerbes darstellt. Zu diesem immateriellen religiösen Erbe zählen nicht nur religiöse Gemeinschaften, sondern auch Glaube, Rituale und Musik.

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Franceschini beschäftigt sich auch mit der Säkularisierung und Dekontextualisierung religiöser Stätten in Brandenburg sowie in Süditalien. Darüber hinaus untersucht sie die politische Instrumentalisierung immateriellen Erbes in Ländern wie Rumänien und Polen. Um diese komplexen Fragestellungen zu beleuchten, nutzt sie verschiedene methodische Ansätze, darunter juristische und politische Textanalysen sowie qualitative Interviews mit institutionellen Autoritäten und religiösen Gemeinschaften.

Eine ihrer auffälligen Erkenntnisse ist das geringe Bewusstsein für immaterielles religiöses Erbe in Brandenburg. Dies führt zu einer Unterbrechung der Transmission über Generationen hinweg, während viele religiöse Bauten in säkulare Gebäude umgewandelt werden.

Initiativen und zukünftige Projekte

Um dem immateriellen religiösen Erbe mehr Gewicht zu verleihen, plant Franceschini die Einrichtung eines Forschungshubs. Dieser soll Expertise im Bereich immaterielles religiöses Erbe bündeln. Zudem sind eine Vortragsreihe und weitere Online-Veranstaltungen geplant, um Erkenntnisse auszutauschen und die Sichtbarkeit zu erhöhen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die zukünftigen Fallstudien in Polen und Rumänien, die untersuchen sollen, wie immaterielles religiöses Erbe politisch genutzt wird. Franceschini merkt an, dass die Entscheidung, Kulturerbe zu schützen, als politisches Statement fungiert, das erhebliche Auswirkungen auf Tourismus und Wirtschaft haben kann.

In einem breiteren Kontext bietet die UNESCO einen wichtigen Rahmen für den Schutz kulturellen Erbes weltweit. Unter der „UNESCO-Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes“ von 2003 wird immaterielles Kulturerbe definiert. Dabei umfasst dieser Begriff lebendige Traditionen, Handwerkskünste und kulturelle Ausdrucksformen, einschließlich mündlich überlieferter Traditionen, darstellender Künste und gesellschaftlicher Praktiken.

Im Gegensatz dazu steht das Welterbe, das sich auf physische Orte und Stätten konzentriert, die außergewöhnlichen universellen Wert besitzen. Der Unterschied zwischen beiden Konzepten ist von zentraler Bedeutung: Während das Welterbe physische Bewahrung fokussiert, zielt das immaterielle Kulturerbe auf kreative Weitergabe ab. Trotz ihrer Unterschiede sind beide Konzepte eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.

Mehr als 1200 Stätten sind weltweit im UNESCO-Welterbe gelistet. In Österreich gibt es über 170 Eintragungen im Nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes, von denen 14 international anerkannt sind. Die UNESCO und andere Organisationen betonen die Notwendigkeit, kulturelles Erbe ganzheitlich zu betrachten und die Synergien zwischen immateriellem und materiellem Kulturerbe zu nutzen, wie etwa in der Kulturlandschaft Wachau und den Trockensteinmauern.

Für weitere Informationen über die Bemühungen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes und die verschiedenen Ansätze, können Leser die Berichte von Europa-Universität Viadrina, UNESCO Deutschland und UNESCO Österreich einsehen: Europa-Universität Viadrina, UNESCO Deutschland, UNESCO Österreich.