Greta Gebhardt, Studentin und Künstlerin an der Universität Greifswald, rückt ein drängendes Thema in den Fokus: Femizide und geschlechtsspezifische Gewalt in Deutschland. Ihre Kunstaktion mit dem Titel „Leerstellen“ präsentiert nun ein Plakat auf einer Litfaßsäule, das 360 Femizide aus dem Jahr 2023 dokumentiert. Diese Zahlen abstrahieren oft die tragischen Schicksale hinter den Statistiken, die häufig nur als bloße Zahlen in Kriminalberichten erscheinen. Mit jeder Leerstelle auf dem Plakat schafft Gebhardt Platz für die Stimmen der Opfer und thematisiert somit die gesellschaftliche Unterrepräsentation dieser Thematik in der öffentlichen Debatte.

Das Projekt „Leerstellen“ hatte seinen Ursprung im Sommersemester 2025 im Seminar „Public Art“, das von Prof. Rozbeh Asmani geleitet wird. Gebhardt nutzt die Kunst als Medium, um auf die „Modern Gender Gap“ hinzuweisen. Diese Thematik bezieht sich auf die konservativen Tendenzen, die bei jungen Männern verstärkt zu beobachten sind, während junge Frauen tendenziell liberalere Ansichten vertreten. Laut uni-greifswald.de gab es im Jahr 2023 nachweislich mindestens 360 Femizide in Deutschland, wobei die Dunkelziffer vermutlich weitaus höher liegt.

Kunst als Mittel der Aufklärung

Ein zentrales Anliegen von Gebhardt ist es, die Gesellschaft zum Nachdenken über geschlechtsspezifische Gewalt zu bewegen. Sie kritisiert die mangelnde Repräsentation dieses Themas in der öffentlichen Diskussion und setzt mit ihrer Kunst ein Zeichen gegen das Schweigen. Durch die Gestaltung des Plakats wird die Statistik in ein sichtbares Raster übersetzt. Es lädt Betrachter dazu ein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die Realität hinter den Zahlen zu erkennen.

Die Aktion „Leerstellen“ findet im Rahmen des „Global Women*s General Strike“ statt, der weltweit für Gleichberechtigung und Frauenrechte eintritt. Am 9. März, dem Tag nach dem Internationalen Frauentag, wird um 15:00 Uhr eine Mahnwache vor der Litfaßsäule abgehalten, bei der die Teilnehmer Kerzen entzünden können. Gebhardt hebt hervor, dass Kunst im öffentlichen Raum die Möglichkeit bietet, Menschen mit oft unbequemen Themen zu konfrontieren und Diskurse zu fördern. Diese Art der Auseinandersetzung ist entscheidend, um Gewalt gegen Frauen aus der Tabuzone zu holen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Seit 2020 haben Studierende der Universität Greifswald die Gelegenheit, im Seminar „Public Art“ ihre künstlerischen Ideen auf Litfaßsäulen zu präsentieren. Dieses innovative Format unterstützt nicht nur die kreative Entwicklung, sondern schafft auch einen relevanten Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über wichtige Themen.