Ein neues Forschungsprojekt namens „UncovRT“, geleitet von Prof. Mechthild Krause an der TU Dresden, hat sich das Ziel gesetzt, die Langzeitfolgen von Strahlentherapien bei Hirntumorpatienten zu untersuchen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert dieses Vorhaben mit über zwei Millionen Euro. Im Rahmen des Projekts wird ein interdisziplinäres Team aus verschiedenen Forschungseinrichtungen in Dresden, Hamburg, Heidelberg, Essen und Dortmund zusammenarbeiten.
Das Hauptaugenmerk der Studie liegt auf den sichtbaren Veränderungen, die bei etwa 20% der behandelten Patienten im MRT zu beobachten sind. Solche Veränderungen können zu verschiedenen Symptomen führen und die Lebensqualität der Überlebenden erheblich beeinträchtigen. Das Team plant, eine gemeinsame Datenbank für klinische, translationale und präklinische Daten aufzubauen, um die Langzeiteffekte besser zu verstehen.
Gesundheitliche Herausforderungen und Nebenwirkungen
Die Strahlentherapie ist eine entscheidende Behandlungsform bei Hirntumoren. Moderne Verfahren erlauben zwar eine präzise Bestrahlung, führen jedoch auch häufig zu Nebenwirkungen. Laut Informationen von Gyenno variiert die Ausprägung dieser Nebenwirkungen je nach Patient, Dosis und Therapiedauer. Akute Nebenwirkungen können Hautschäden, Brennen der Schleimhäute sowie Schluckbeschwerden umfassen. Zudem treten häufig irreversibler Haarausfall und Übelkeit auf.
Langzeitfolgen, die Monate bis Jahre nach der Behandlung auftreten können, sind ebenfalls besorgniserregend. Zu den häufigsten gehören Neurotoxizität, die kognitive Funktionen beeinträchtigen kann, sowie das Risiko für Hirnnekrosen, die in etwa 1-12% der Fälle auftreten. Die Deutsche Hirntumorhilfe weist zudem auf das Risiko von endokrinen Störungen hin, die die Hormonproduktion beeinflussen können, sowie auf mögliche Zweittumoren, die als Folge der Strahlen- und Chemotherapie auftreten können.
Forschung und Entwicklungen in der Strahlentherapie
Das Projekt „UncovRT“ wird sich unter anderem mit präklinischen Studien beschäftigen, die das Verständnis der biologischen Mechanismen von strahlenbedingten Hirnschäden vertiefen. Durch die Identifikation molekularer Parameter sollen Risiken wie Hirnnekrosen vorhergesagt werden. Des Weiteren plant das Team, bereits zugelassene Medikamente testweise zur Vermeidung von Nebenwirkungen einzusetzen und bestehende Vorhersagemodelle zu optimieren.
Die Strahlentherapie wirkt, indem sie hochenergetische Röntgenstrahlung einsetzt, die Brüche in der DNA von Tumorzellen verursacht. Diese verlieren durch die wiederholte Bestrahlung ihre Fähigkeit zur Teilung, was zu ihrem Absterben führt. Während gesunde Zellen oft in der Lage sind, DNA-Schäden zu reparieren, geschieht dies bei Tumorzellen nicht. Daher kann die Behandlung sowohl akute als auch chronische Nebenwirkungen hervorrufen.
Durch die Einbindung von Patientenvertretern im Projekt wird zudem darauf geachtet, dass Forschungsergebnisse nachvollziehbar sind und den Betroffenen zugänglich gemacht werden. Die Nationale Dekade gegen Krebs fördert interdisziplinäre Forschungsarbeiten zu den Langzeitfolgen von Krebsbehandlungen, was das Engagement in diesem sensiblen Bereich weiter stärkt. Die Deutsche Hirntumorhilfe und der Krebsinformationsdienst bieten zusätzliche Unterstützung und Informationen für betroffene Patienten an.