Am 19. März 2026 hat das Forschungsteam um Prof. Dr. Ulla Gläßer und Mareike Standow von der Viadrina einen umfassenden Evaluationsbericht über globale Lieferketten veröffentlicht. Dieser Bericht befasst sich mit dem unternehmensübergreifenden Beschwerdemechanismus „Mecanismo de Reclamación de Derechos Humanos“ (MRDH), der zwischen Mai 2024 und Dezember 2025 in Mexiko pilotiert wurde. Ziel des Mechanismus war die Schaffung eines gemeinsamen Beschwerdekanals für die Lieferketten deutscher Automobilunternehmen, um bestehende Schutzlücken in Bezug auf Menschenrechte zu schließen, wie europa-uni.de berichtet.
In der Pilotphase erreichte der MRDH über 100.000 Menschen und wurde durch die Zusammenarbeit von drei deutschen Automobilunternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften sowie staatlichen Institutionen aus Deutschland und Mexiko unterstützt. Über 120 Beschwerden wurden über das Online-Portal eingereicht, wobei 17 dieser Beschwerden als zulässig eingestuft und zu zehn Fällen zusammengefasst wurden. Die Evaluierungsstudie stützt sich auf eine detaillierte Dokumentenanalyse sowie Interviews mit verschiedenen Akteuren und beinhaltet auch eine zweiwöchige Forschungsreise nach Mexiko.
Wichtige Erkenntnisse aus der Evaluierung
Die zentralen Erkenntnisse des Berichts heben die Bedeutung lokaler Strukturen und vertrauenswürdiger Organisationen für die erfolgreiche Implementierung des Beschwerdemechanismus hervor. Insbesondere die Stärkung von Konfliktmanagement-Strukturen und die engere Einbindung von Zulieferbetrieben sind von entscheidender Bedeutung. Die Beschwerden spiegeln somit die Herausforderungen in den Bereichen Arbeits-, Menschen- und Umweltrechte wider.
Der Mechanismus ist zudem in Übereinstimmung mit gesetzlichen Vorgaben wie dem deutschen Lieferkettengesetz sowie entsprechenden EU-Richtlinien konzipiert. Trotz der vielversprechenden Initiativen wurde das Projekt nach dem Ende der Pilotphase nicht weitergeführt. Dies war vor allem auf eine fehlende Einigung über die zukünftige Ausgestaltung und Finanzierung des MRDH zurückzuführen. Auch die Herausforderungen bei der Gewinnung weiterer Unternehmen für eine Beteiligung blieben nicht ohne Folgen.
Interesse und Zukunftsperspektiven
Der Evaluationsbericht hat in verschiedenen Kreisen großes Interesse geweckt, insbesondere bei deutschen Bundesministerien. Über 20 beteiligte Organisationen setzt sich aktiv dafür ein, die Ergebnisse in unterschiedlichen Netzwerken zu verbreiten. Die während der Evaluation gesammelten Erfahrungen sollen in die laufenden regulatorischen Entwicklungen einfließen und MRDH könnte wichtige Impulse zur Stärkung von Menschenrechten in globalen Lieferketten liefern.
Die Problematik von Menschenrechtsverletzungen und der Ausbeutung natürlicher Ressourcen ist in der globalisierten Wirtschaft weiterhin präsent. In diesem Kontext wurden auch nationale Gesetze eingeführt, die Unternehmen zur menschenrechtlichen Sorgfalt in ihren Lieferketten verpflichten. In Deutschland bildet das Lieferkettengesetz einen neuen Handlungsspielraum für Akteure der Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Betriebe, wie auf globaleslernen.de dargelegt wird.
Zur politischen Bildungsarbeit wurde das Methodenheft „Menschenrechte in Globalen Lieferketten“ entwickelt. Dieses Heft enthält verschiedene Methoden, die sowohl einzeln als auch aufeinander aufbauend eingesetzt werden können. Die Thematisierung von Menschenrechtsverletzungen sowie die Diskussion von Instrumenten zur Durchsetzung von Menschenrechten stehen dabei im Mittelpunkt.
Die interaktiven Methoden ermöglichen nicht nur den Austausch über relevante Handlungsansätze, sondern bieten auch Materialien, die in diesem Kontext nützlich sein können. Die Lernziele sind in der Planung und Durchführung klar beschrieben, was die praktische Anwendung der Methoden erleichtert.