Die Chancengleichheit in der Bildung ist ein zentrales Thema in Deutschland. Eine aktuelle Studie des Exzellenzclusters ECONtribute, in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bonn und Köln, beleuchtet, wie der sozioökonomische Hintergrund von Familien Einfluss auf den Bildungsweg von Kindern hat. Die Forschung von Professorin Dr. Pia Pinger von der Universität zu Köln und ihren Kollegen zeigt, dass Kinder aus weniger privilegierten Verhältnissen viel seltener das Gymnasium besuchen als ihre gleich leistungsfähigen Altersgenossen.
Wie die Universität Köln berichtet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Grundschulkinder aus sozial benachteiligten Familien den gymnasialen Bildungsweg einschlagen, um rund ein Drittel niedriger. Diese ungünstige Situation zeigt sich besonders bei der Schulwahl: In den meisten Bundesländern entscheiden Eltern am Ende der vierten Klasse, oft basierend auf den Empfehlungen der Grundschule. Dass sich das in den Bildungschancen niederschlägt, ist alarmierend.
Studien haben ergeben, dass der Bildungsabschluss der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl der Schulart hat. Daten des Mikrozensus zeigen, dass 2022 etwa 32 % der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen Kinder von Akademikern waren, während nur 8 % der Hauptschüler Akademikerkinder waren. Laut einem Bericht der Bundeszentrale für politische Bildung sind diese Zahlen nicht nur besorgniserregend, sondern zeigen auch die feste Verknüpfung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland.
Ein Lichtblick ist das Mentoring-Programm „Balu und Du“, das speziell auf sozial benachteiligte Kinder abzielt. Im Rahmen des Programms trafen sich 212 Grundschulkinder mit ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren – oft Studierenden. Die Studienergebnisse sind ermutigend: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder den gymnasialen Bildungsweg wählten, stieg um elf Prozentpunkte. Die positiven Effekte des Programms waren sogar fünf Jahre nach dem Schulwechsel noch spürbar.
Laut der Studie ist es sinnvoll, in Mentoring-Programme zu investieren, um langfristig die Gaupe zwischen den verschiedenen Schularten zu verringern und die Chancengleichheit zu fördern. Der Einfluss des sozioökonomischen Status auf Bildungsentscheidungen ist nicht zu unterschätzen. Knapp die Hälfte der Gymnasiasten hat Eltern mit Hochschulabschluss, während an Hauptschulen der Anteil an Kindern mit formal gering qualifizierten Eltern bei 35 % liegt.
Es stehen also noch viele Herausforderungen bevor, um einen wirklich gleichen Zugang zu Bildung für alle Kinder in Deutschland zu gewährleisten, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Man könnte sagen: Da liegt noch einiges an Arbeit vor uns. Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass durch gezielte Programme wie „Balu und Du“ ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan wird.