Am 15. Februar 2026 wurde Merle Hinrichsen an der Technischen Universität Braunschweig als neue Professorin für Empirische Bildungsforschung mit Schwerpunkt auf außerschulischer Bildung berufen. Ihre Forschung konzentriert sich auf vielseitige außerschulische Lernorte wie Familien, Kindertagesstätten (Kitas), Jugendgruppen sowie digitale Räume. Diese Ansätze sind besonders wichtig, da sie neue Perspektiven auf den Lernprozess und die gesellschaftliche Integration bieten.

Hinrichsen untersucht, wie Menschen über verschiedene Lebensphasen hinweg lernen, sich orientieren und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Zu den zentralen Themen ihrer Arbeit zählen Diversität, Teilhabe und soziale Ungleichheit. Sie setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, wie diese Faktoren die Bildungserfahrungen von Individuen beeinflussen, und hat eine klare Vision für die Zukunft der empirischen Bildungsforschung, die sowohl inter- als auch transdisziplinär ausgerichtet ist. Ihre Wahl, zur TU Braunschweig zu kommen, begründet sie mit dem dynamischen Forschungsumfeld der Institution.
 

Forschungsschwerpunkte und Methoden

Hinrichsen befasst sich nicht nur mit Erziehung und Bildung, sondern auch mit der Sozialisation in außerschulischen Institutionen. Diese reichen von Kitas bis hin zu migrantischen Selbstorganisationen. Um fundierte Erkenntnisse über die Erziehungs- und Bildungsprozesse zu erlangen, verwendet sie verschiedene empirische Methoden wie Interviews, Gruppendiskussionen, Beobachtungen und die Analyse von Dokumenten. Aktuelle Forschungsprojekte umfassen die Analyse der sozialen und beruflichen Integration migrierter Pädagog*innen sowie den Abbau von Zugangshürden im Hochschulwesen und Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung ist die Digitalisierung. Hinrichsen untersucht, welche Auswirkungen digitale Entwicklungen auf die Welt der Jugendlichen und deren Bildung sowie deren politische Partizipation haben. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, wie das Vergessen für Bildungsprozesse von Bedeutung ist und inwiefern Methoden der empirischen Bildungsforschung hier weiterentwickelt werden können.

Bildungsungleichheiten analysieren

In der heutigen Bildungslandschaft steht die Chancengleichheit im Vordergrund. Eine aktuelle Studie systematisiert die Forschungsbefunde und -bedarfe zu sozialer Ungleichheit, sowohl im außerschulischen als auch im schulischen Bereich. Diese Untersuchung konzentriert sich auf die institutionellen und bildungssoziologischen Perspektiven und analysiert die Ursachen sozialer Ungleichheiten, die von sozialer Schichtzugehörigkeit über Migrationshintergründe bis hin zu Geschlechterfragen reichen. Diese Aspekte sind heute relevanter denn je, um die Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems zu verbessern und soziale Bildungsungleichheiten abzubauen.

Die Betrachtung internationaler Bildungssysteme zeigt, dass Länder wie Kanada und Großbritannien einen schwächeren Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufweisen. Dies legt nahe, dass gezielte politische Maßnahmen bestehende Bildungsungleichheiten reduzieren könnten. Es wird zunehmend diskutiert, wie frühzeitige kompensatorische Maßnahmen, wie etwa verbindliche Bildungspläne in Kitas und die Nutzung von Bildungs- und Freizeitangeboten, dazu beitragen können, Bildungsarmut zu vermeiden und den Erwerb von Basiskompetenzen bei Kindern zu fördern.

Zusammenfassend erfordert der nachhaltige Abbau sozialer Ungleichheiten ein integriertes Vorgehen in sämtlichen Bildungsbereichen. Merle Hinrichsens Forschung könnte entscheidende Impulse liefern, um die Herausforderungen im Bereich der Bildungsungleichheit zu meistern und eine gerechtere Bildungslandschaft zu fördern.