Einen bemerkenswerten Fortschritt in der Forschung zu zoonotischen Infektionskrankheiten verzeichnen Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH). Sie dokumentieren erstmalig eine Übertragung des Affenpockenvirus, auch als Mpox bekannt, zwischen zwei Tierarten in freier Wildbahn. Identifiziert wurde das Feuerfußhörnchen (Funisciurus pyrropus) als natürliche Infektionsquelle. Die Studie wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Prof. Dr. Fabian Leendertz, Direktor des HIOH und Professor für One Health an der Universität Greifswald, hat zusammen mit seinem Team einen Mpox-Ausbruch unter wildlebenden Rußmangaben (Cercocebus atys) im Taï-Nationalpark in Côte d’Ivoire festgestellt. Mpox ist bekannt dafür, zwischen Menschen und Tieren übertragen zu werden, wobei Spillover-Ereignisse in West- und Zentralafrika einen besonders hohen Risiko darstellen.

Entdeckung der Übertragungswege

Die jahrzehntelange Beobachtung und Forschung an Schimpansen, Rußmangaben und anderen Tierarten im Taï-Nationalpark hat entscheidend zur Entdeckung dieses Ausbruchs beigetragen. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Genomsequenzierung den Virusstamm sowohl bei den Rußmangaben als auch beim Feuerfußhörnchen identifiziert hat, das knapp zwölf Wochen zuvor gesichtet wurde. Besonders aufschlussreich war eine Kotprobe, die acht Wochen vor dem Ausbruch entnommen wurde und DNA des MPXV sowie das des Hörnchens enthielt. Dies belegt die Übertragung zwischen den beiden Arten.

Ein weiterer Fakt ist, dass Rußmangaben sich von Feuerfußhörnchen ernähren, was zur Infektion führte. Diese Studie liefert somit den ersten Nachweis für eine Übertragung des MPXV in freier Wildbahn und weist darüber hinaus darauf hin, dass Feuerfußhörnchen seit Langem als mögliche Infektionsquelle für das Affenpockenvirus gelten.

Risiken und Präventionsmaßnahmen

Die Forschung zeigt auch, dass das Risiko einer Übertragung auf den Menschen durch Jagd und den Verzehr kleiner Wildtiere steigt. Die Identifizierung von Virusquellen sowie die Analyse der Übertragungswege sind daher entscheidend, um zukünftige Spillover-Ereignisse zu verhindern. Um diesem Anliegen Rechnung zu tragen, betont der One-Health-Ansatz die enge Verbindung zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt.

Die Bundesregierung, konkret das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Landwirtschaft (BMLEH), sucht mit diesem Ansatz eine Stärkung der Interdisziplinarität in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Umwelt. Ziel ist die Förderung einer nachhaltigen Transformation der Landwirtschaft und Ernährungssysteme.

Der One-Health-Ansatz zielt darauf ab, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu mildern. Arbeitsschwerpunkte umfassen die Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten, die Verbesserung der Sicherheit von Lebensmitteln sowie den Erhalt biologischer Vielfalt. Durch sektorübergreifende Zusammenarbeit wird angestrebt, globale Gesundheitsgefahren für Menschen, Tiere und die Umwelt zu bekämpfen.