Eine aktuelle Studie der Universitäten Bremen und Oldenburg, veröffentlicht im „Journal of Marriage and Family“, beleuchtet die weitreichenden Auswirkungen von Mutterschaft auf die beruflichen Tätigkeiten von Frauen. Der Titel der Studie, „The Job Task Penalty for Motherhood“, legt den Fokus nicht nur auf Lohnunterschiede oder Erwerbsunterbrechungen, sondern analysiert auch, wie sich der Aufgabenbereich von Müttern im Berufsleben verändert.

Professorin Wiebke Schulz, eine der Hauptautorinnen der Studie, hebt hervor, dass Mütter nach der Geburt seltener komplexe und analytische Tätigkeiten ausüben. Dies umfasst Aufgaben wie Lesen, Schreiben oder Rechnen sowie interaktive Tätigkeiten, die für den beruflichen Aufstieg entscheidend sind. Diese Veränderungen sind besonders ausgeprägt bei Müttern, die ihre Arbeitszeit reduzieren. Im Vergleich dazu zeigen Mütter, die ihre Arbeitszeit unverändert lassen, kaum Abweichungen im Aufgabenprofil.

Berufliche Herausforderungen für Mütter

Die Studie untersucht die Veränderungen innerhalb der beruflichen Tätigkeiten von 1978 Frauen zwischen 2011 und 2020. Es wird festgestellt, dass es keine systematischen Unterschiede in Bezug auf die Dauer der Elternzeit oder Berufswechsel gibt. Auch längere Erwerbsunterbrechungen führen nicht zwangsläufig zu stärkeren Verschiebungen im Tätigkeitsprofil. Ein zentraler Aspekt der Ergebnisse ist die Belastung, die durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf entsteht.

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass Mutterschaft die Qualität und den Anforderungsgehalt der Arbeit erheblich beeinflusst. Analytische und komplexe Tätigkeiten, die als karriereförderlich gelten, werden dadurch eingeschränkt. Diese Einschränkungen wirken sich negativ auf die Einkommens- und Aufstiegschancen von Müttern im Vergleich zu Vätern und kinderlosen Frauen aus, was auch von der Bundeszentrale für politische Bildung bpb.de untermauert wird.

Im Allgemeinen übernehmen Mütter den Großteil der Haus- und Sorgearbeit, selbst wenn sie erwerbstätig sind. Statistisch arbeiten 70% der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit, während nur 5,6% der Väter Teilzeitstellen innehaben. Diese Ungleichverteilung führt zu einer „Retraditionalisierung“ der Geschlechterrollen, da die Inanspruchnahme von Elternzeit oft die Rollenverteilung in Familien verstärkt.

Gesellschaftliche und politische Implikationen

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und das geltende Modell der „männlichen Versorgerehe“ sind zentral für die Herausforderungen, die Mütter im Berufsleben erleben. In vielen Fällen arbeiten Mütter Teilzeit, während Väter als Vollzeit-Arbeitnehmer fungieren. Gemäß der Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bmbfsfj.bund.de zeigen die verfügbaren Daten, dass Mütter durchschnittlich 40 Stunden pro Woche für Kinderbetreuung und Hausarbeit aufbringen, Väter hingegen nur 22 Stunden.

Der gender care gap, der die Ungleichverteilung der Sorgearbeit misst, betrug 2012/13 statistisch 83,3%. Diese Ungleichheiten auch in der Erwerbsbeteiligung sind oft von den Altersgruppen der Kinder abhängig. Während sich die Chancen für weibliche Führungskräfte ohne Kinder erhöhen, wird die Perspektive für diejenigen mit Kindern immer schwieriger. Im Jahr 2013 hatten lediglich 12% weiblicher Führungskräfte ein Kind unter drei Jahren.

Insgesamt fordert die Studie von der Politik arbeitsmarktpolitische und betriebliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Müttern in der Arbeitswelt. Die Einführung von Elterngeld und anderen familienfreundlichen Politiken ist ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch sind strukturelle Veränderungen nötig, um echte Gleichstellung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.