Peru, die drittgrößte Fischfangnation der Welt, gehört zu den Ländern mit einem der produktivsten Meeresökosysteme, dem Humboldtstrom-System. Trotz dieser beeindruckenden natürlichen Ressourcen leiden Millionen peruanischer Kinder unter gravierenden Ernährungsproblemen wie Unterernährung, Anämie und Wachstumsstörungen. Über 90 % der in Peru gefangenen Sardellen werden in Fischmehl und Fischöl verarbeitet und hauptsächlich nach China und Europa exportiert. Diese Praktiken haben dazu geführt, dass Peru rund ein Drittel der weltweiten Fischmehl- und Fischölproduktion aus Sardellen stellt.

Eine aktuelle Studie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigt auf, wie eine Neuausrichtung der Fischereipolitik die nationale Ernährungssicherheit erheblich verbessern könnte. Die Untersuchung unterstützt drei nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen: SDG 2 (Kein Hunger), SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen) und SDG 14 (Leben unter Wasser). Das neu entwickelte Fischereimanagement-Modell vereint ökonomische Aspekte, Klimaszenarien und ernährungsphysiologische Bedürfnisse.

Fischereimanagement und Ernährungssicherheit

Das innovative Modell erfasst nicht nur die Populationsdynamik von Sardelle, sondern auch von Bonito, Seehecht und Makrele. Zusätzlich werden ökologische Wechselwirkungen und Klimawandelszenarien berücksichtigt. Ein dynamisches Optimierungsmodell berechnet die notwendigen Fangmengen, um den Nährstoffbedarf der Bevölkerung zu decken. Bisher reicht der Erhalt der Sardellenquoten für den Export nicht aus, um die Ernährungsbedürfnisse der Bevölkerung zu decken. Es wird angenommen, dass eine verstärkte Verwendung von Sardellen für den menschlichen Verzehr die nationale Nährstoffsicherheit erheblich verbessern könnte. Um ein Drittel des nationalen Eisenbedarfs zu decken, wären jährlich etwa 2,93 Millionen Tonnen Sardellen notwendig.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen einer Umwidmung wären jedoch beträchtlich. Schätzungen zufolge müsste die Fischmehl- und Fischölindustrie mit Einnahmeverlusten von rund 2,3 Milliarden US-Dollar pro Jahr rechnen. Das Management schlägt zudem vor, dass ein größerer Anteil der Sardellenquote für den menschlichen Verzehr verwendet werden sollte, unterstützt durch Marktentwicklung und Aufklärungskampagnen. In Peru hat die Sardelle noch immer ein negatives Image als „Fisch für Arme“, was durch gezielte Kommunikation verändert werden müsste.

Globale Fischereikrisen und Herausforderungen

Diese Herausforderungen sind nicht nur in Peru zu beobachten. Überfischung bedroht zunehmend den Fischereisektor in Mauretanien, einem weiteren fischreichen Gebiet, das als wichtiger Nahrungslieferant für Westafrika gilt. Auch dort ist die Fischerei ein großer Arbeitgeber und Devisenbringer. Um den negativen Folgen steigender Fangzahlen entgegenzuwirken, wurden bereits nachhaltige Bewirtschaftungspläne entwickelt, die die Unterstützung Deutschlands erhalten.

In der EU sind die Fischbestände in Nord- und Ostsee rückläufig, was durch unzureichendes Fischereimanagement sowie den Klimawandel bedingt ist. Ein Konsequenz daraus ist der Aktionsplan der EU-Kommission von Februar 2023, der den Schutz und die Wiederherstellung von Meeresökosystemen für nachhaltige Fischerei forciert. Kritiker der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) bringen inne, dass naturschutzrelevante Ziele oft hinter fischereilichen Interessen zurückstehen.

Die EU sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert, da viele Bestände, wie etwa der Dorschbestand in der westlichen Ostsee, stark gefährdet sind. Umweltschädliche Fischereimethoden bleiben oft weiterhin erlaubt. Der Aktionsplan fordert Lösungen, etwa die Reduzierung von ungewolltem Beifang und die Einrichtung neuer Schutzgebiete. Dies hat zu Widerstand innerhalb der Fischereilobby geführt, die Bedenken äußert, die Grundberührende Fischerei in Meeresschutzgebieten einstellen zu müssen. Deutschland hat bereits den Austausch zwischen Umwelt- und Fischereibereichen begonnen, um Maßnahmen für nachhaltige Fischerei zu erarbeiten.

Insgesamt zeigt die Entwicklung in Peru und weltweit, dass eine nachhaltige Fischereipolitik von höchster Bedeutung ist, um sowohl die Ökosysteme als auch die Ernährungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Maßnahmen zur Umstellung auf nachhaltige Praktiken und zur Verbesserung der Wahrnehmung von Fischen wie der Sardelle müssen zeitnah umgesetzt werden, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Dies ist nicht nur für die Menschen vor Ort, sondern auch für den globalen Fischmarkt von Bedeutung.

Die Informationen über die Situation in Peru sind aus der Forschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und den Überblick über aktuelle Herausforderungen im Fischereisektor stammen von BMZ sowie NABU.