In einer aktuellen Untersuchung zur Nachhaltigkeitstransformation in der deutschen Wirtschaft zeigt der Sustainability Transformation Monitor (STM) 2026, dass das Thema Nachhaltigkeit zwar auf der Agenda vieler Unternehmen bleibt, jedoch zunehmend an Priorität und Dynamik verliert. In einer Erhebung, die von der Bertelsmann Stiftung, der Stiftung Mercator und der Universität Hamburg durchgeführt wurde, wurden 822 Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft in Deutschland befragt.

Der Monitor offenbart, dass 73% der Unternehmen die Verantwortung für Nachhaltigkeit auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene verankert haben. Dennoch berichten 59% der befragten Firmen, dass Nachhaltigkeit intern an Bedeutung verliert – ein dramatischer Anstieg von 14% im Vorjahr. Besonders große Unternehmen sowie größere Mittelständler spüren diesen Rückgang deutlich, trotz der Tatsache, dass die meisten ihre selbstgesteckten Klimaziele beibehalten.

Rückgang der Priorität und Hemmnisse

Die Daten aus der Erhebung lassen einen besorgniserregenden Trend erkennen. Der Anteil der Unternehmen, die Nachhaltigkeitsstrategien „in Planung“ haben, ist um 7 Prozentpunkte gesunken. Der Nachhaltigkeitsexperte Jakob Kunzlmann warnt: „Ohne klare Signale aus Politik und Märkten droht Stagnation.“ Unternehmen empfinden unsichere politische Rahmenbedingungen und fehlende wirtschaftliche Anreize als die größten Hemmnisse für ihre transformationale Entwicklung. Tatsächlich berichten 70% der Teilnehmer, dass diese fehlenden Anreize ihre Fortschritte behindern.

Die Studie zeigt auch, dass der Druck von Seiten der Politik abgenommen hat; nur 17% der Unternehmen sehen einen klaren „Business Case“ für ihre Nachhaltigkeitstransformation. Gleichzeitig erkennen 43% der Unternehmen jedoch einen finanziellen Mehrwert durch die Integration ökologischer und sozialer Aspekte, auch wenn die damit verbundenen Kosten oft höher seien.

Klimaziele und Berichterstattung

Trotz der rückläufigen Priorität in der Umsetzung haben die Unternehmen ihre selbstgesteckten Klimaziele überwiegend beibehalten. 59% der Unternehmen haben bereits Ziele definiert, ein Anstieg von 6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere Banken zeigen Fortschritte; hier stieg der Anteil der Unternehmen mit Klimazielen von 46% auf 65%. Dennoch haben 41% der Unternehmen, die solche Ziele verfolgen, ihre Transitionspläne noch „in Planung“.

Hinzu kommt, dass 59% der Unternehmen, die ab 2027 zur Berichterstattung verpflichtet sind, angeben, gut auf die EU-weiten Berichtspflichten vorbereitet zu sein. Unternehmerische Prioritäten scheinen jedoch in der Finanzierungshaltung langsamer voranzuschreiten: Nur 30% der Unternehmen bewerten Nachhaltigkeit als wichtig in ihren Finanzierungsgesprächen.

Ausblick und Handlungsbedarf

Philipp Wesemann von der Stiftung Mercator unterstreicht die Notwendigkeit konkreter Transformationspfade, die Investitionsentscheidungen, Zeitachsen und Finanzierungspläne umfassen. Die Bundesregierung hat sich bis 2045 zur Klimaneutralität verpflichtet und dafür wäre eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Banken und der Politik erforderlich.

Zusammenfassend zeigt der Sustainability Transformation Monitor, dass die oben genannten Unternehmen durch fehlende wirtschaftliche Anreize und einen Mangel an politischem Druck in ihrer Transformationskraft gebremst werden. Für die zukünftige Entwicklung der Nachhaltigkeit in Unternehmen sind strategische Fokussierungen und verlässliche Rahmenbedingungen unerlässlich.

Die Relevanz der Nachhaltigkeitsdaten in Kreditentscheidungen bleibt begrenzt. Um einen echten Wandel herbeizuführen, bedarf es einer verstärkten Kooperation aller Beteiligten – Unternehmen, Investoren, Banken und der Politik. Angesichts der drohenden Stagnation appelliert die Bertelsmann Stiftung an eine zielgerichtete, gemeinschaftliche Anstrengung zur Förderung der Nachhaltigkeit.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass der Klimaschutz in deutschen Unternehmen deutlich an Nachdruck verliert, was langfristige Strategien zur Stärkung der Nachhaltigkeit in der Unternehmensentwicklung notwendig macht, um den Herausforderungen des Klimawandels effektiv zu begegnen, wie auch Heise feststellt.