Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben einen bahnbrechenden molekularen Schalter identifiziert, der bei der Behandlung von Herzinfarkten eine entscheidende Rolle spielen könnte. Die Entdeckung der regulatorischen RNA circHIPK2 bietet vielversprechende Perspektiven für neue therapeutische Ansätze in der Medizin. Jährlich sind in Deutschland über 300.000 Menschen von einem Herzinfarkt betroffen, was zu erheblichem Gewebeabsterben und Vernarbung im Herzmuskel führt.
Die Möglichkeiten des Herzens zur Selbstheilung sind begrenzt. Hierbei spielen Makrophagen, das sind eine Art von Immunzellen, eine wesentliche Rolle. Diese können in zwei Typen polarisiert werden: M1, die entzündungsfördernd wirken, und M2, die entzündungshemmend sind. circHIPK2 wurde als ein wichtiger Regulator dieser Polarisierung nach einem Herzinfarkt identifiziert. Die vielfältigen Funktionen von circHIPK2 umfassen die Förderung der Bildung von Stressgranulen in Makrophagen, was eine Kaskade entzündlicher Reaktionen und letztlich eine zunehmende Fibrose zur Folge hat. Diese Fibrose kann die Herzfunktion erheblich beeinträchtigen und zu Herzinsuffizienz führen.
Ein neuer therapeutischer Ansatz
Die Hemmung von circHIPK2 in Makrophagen hat in vorläufigen Studien signifikante Effekte gezeigt. Die Forscher konnten zeigen, dass die Inhibition dieser RNA Entzündungsreaktionen reduziert, die Vernarbung verlangsamt und die Herzleistung verbessert. Für ihre Studie setzten die Wissenschaftler menschliches Herzgewebe und induzierte pluripotente Stammzellen ein, um die Effekte von circHIPK2 zu erforschen. Durch die Anwendung der Methode der „lebenden Herzschnitte“ konnte die Wirkung der circHIPK2-Deaktivierung in Herzgeweben von Patienten mit Herzinsuffizienz untersucht werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Inaktivierung von circHIPK2 die Heilung des Herzens fördert und entzündliche Schäden signifikant reduziert. Diese Entdeckung könnte neue therapeutische Ansätze für die Behandlung von Herzinfarkt und Herzinsuffizienz eröffnen. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit mehreren Kliniken und Instituten an der MHH durchgeführt und in der renommierten Fachzeitschrift European Heart Journal veröffentlicht.
Die Rolle von Entzündungen bei Herzinfarkten
Die Dynamik der Makrophagenpolarisierung ist ein entscheidender Faktor für die Auswirkungen eines Myokardinfarkts (MI) auf das Herz. Untersuchungen zeigen, dass circHIPK2 in entzündlichen kardiakalen Makrophagen nach einem Herzinfarkt hochreguliert ist. Hierbei wurde die Hypothese aufgestellt, dass circHIPK2 als molekularer Schalter für die Makrophagenpolarisierung während des Fortschreitens des Herzinfarkts fungiert. In vitro-Studien haben gezeigt, dass die Modulation von circHIPK2 mittels siRNA und Überexpression von Vektoren die Zellreaktionen verändern kann.
Zusätzliche Ergebnisse aus Tierversuchen belegen, dass die gezielte Hemmung von circHIPK2 bei Mäusen mit Herzinfarkt die Herzfunktion verbessert und das Fortschreiten von Fibrose reduziert. Dies unterstreicht das therapeutische Potenzial der circHIPK2-Silencing-Strategien in der Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen.
Akute Myokardinfarkte erfordern zudem sofortige medizinische Maßnahmen, um das Überleben und die Lebensqualität der Patienten zu sichern. In der Notfallmedizin richtet sich die Behandlung nach dem MONA-Schema, das unter anderem Antikoagulation mit Heparin, Thrombozytenaggregationshemmung und weitere unterstützende Maßnahmen umfasst. Die frühzeitige Intervention wirkt entscheidend, um Folgeschäden und das Risiko einer Herzinsuffizienz zu reduzieren. Diese Erkenntnisse sind wichtig, um das Verständnis der Mechanismen und Behandlungsmöglichkeiten bei einem Herzinfarkt zu vertiefen, wie im DocCheck Flexikon beschrieben wird.