Am 5. März 2026 hat Prof. Dr. Daniel Braun eine Nachwuchsforschungsgruppe zur Künstlichen Intelligenz (KI) an der Universität Marburg ins Leben gerufen. Diese Initiative wird mit 225.750 Euro von der Böckler-Stiftung über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Das zentrale Anliegen dieser Forschungsgruppe ist eine drängende Frage: Wie können Menschen Kontrolle und Überblick behalten, wenn KI-Systeme Entscheidungen in betrieblichen Abläufen treffen? Dies ist insbesondere relevant, da viele Unternehmen bereits KI für die automatisierte Bewertung der Kreditwürdigkeit nutzen. Während die endgültigen Entscheidungen beim Menschen bleiben, haben Kreditprüfer oft nur Zugriff auf Einzelheiten oder Ergebnisse, jedoch nicht auf die vollständige Logik der zugrunde liegenden Modelle.

Die Forschungsgruppe zielt darauf ab, technische Verfahren und organisatorische Prozesse zu entwickeln, die den Beschäftigten Einfluss auf Design, Entwicklung und Einsatz von KI-Systemen ermöglichen. Das Projektbudget sieht auch die Bereitstellung von bis zu drei Promotionsstipendien vor. Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg, hebt die Bedeutung der wissenschaftlichen Begleitung der Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt hervor.

Übergreifende Themen und Herausforderungen

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen im Bereich KI ist die Forschung besonders relevant. Die europäische KI-Verordnung unterstützt die Initiative und schafft einen Regulierungsrahmen für Verbraucher. Hochrisikosysteme müssen künftig eine menschliche Kontrollinstanz (Human-in-the-Loop) besitzen. Das Projekt verbindet technologische Entwicklungen mit arbeitswissenschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Perspektiven. Prof. Braun betont die Notwendigkeit eines Austauschs mit Gewerkschaften und einer interdisziplinären Zusammenarbeit, um optimale Lösungen zu erarbeiten.

Die tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt durch KI sind im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung zu betrachten. Laut der bpb führt KI zu einem Wandel von Berufsbildern und Arbeitsformen. Während viele Unternehmen sich noch am Anfang der Einführung von KI-Technologien befinden, deuten Prognosen darauf hin, dass bis zu zwei Drittel aller Arbeitsplätze potenziell betroffen sein könnten. Dies ist ein entscheidender Aspekt, den die Forschungsgruppe in Marburg mit ihren Arbeiten adressieren möchte.

Auswirkungen und Zukunft der Künstlichen Intelligenz

Obwohl der Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt gegenwärtig noch als gering einzuschätzen ist, zeigen sich bereits erste Anwendungen in verschiedenen Branchen. Beispielsweise nutzt die Berufsgenossenschaft ETEM KI zur Prüfung von Regressfällen, während die Lufthansa-Tochter CityLine KI für die Optimierung von Flugabfertigungsprozessen einsetzt. Auch im Handwerk, etwa in Bäckereien, findet der KI-Einsatz zur effizienten Planung von Produktions- und Einkaufsprozessen Anwendung.

Die Entwicklungen werfen wichtige Fragen auf: Während KI einerseits als Chance angesehen wird, neue Tätigkeitsfelder zu erschließen, gibt es auch Befürchtungen vor Arbeitsplatzverlust. Arbeitsplätze, die zwischenmenschliche Interaktion oder Kreativität erfordern, stehen unter dem Druck von Automatisierungstechnologien weniger stark im Fokus. Dagegen könnten Tätigkeiten, die rechenintensive Aufgaben umfassen, zunehmend durch KI ersetzt werden. Hier kommt der bedeutenden regulatorischen Aufgabe eine Schlüsselrolle zu, damit die weitreichenden Auswirkungen der KI-Nutzung positiv gestaltet werden können.

Für weitere Informationen zur Forschungsgruppe stehen Details auf der Webseite www.responsible-nlp.net zur Verfügung.