Eine neue Studie unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) und der Universität zu Köln widmet sich dem Einfluss verschiedener Konzertformate auf das Publikum. Diese Forschung wurde in der Fachzeitschrift Humanities and Social Sciences Communications veröffentlicht und ergab, dass die Art und Weise, wie Musik dargeboten wird, das subjektive Erleben, Verhalten und die körperlichen Reaktionen von Zuhörern erheblich beeinflusst. Insgesamt nahmen 802 Personen an der Untersuchung teil, die sich über elf Kammermusikkonzerte erstreckte, die mit denselben drei Streichquintetten, jedoch unterschiedlichen Formatkomponenten durchgeführt wurden.
Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Formaten, die sich deutlich vom traditionellen Konzertformat abgrenzten. Hier zeigten sich starke Effekte auf das ästhetische Erleben und die Herzfrequenz der Zuhörenden. Während die Wertschätzung für die Musik und deren Darbietung konstant blieb, boten neu gestaltete Formate die Möglichkeit einer intensiveren emotionalen Einlassung auf die gespielten Musikstücke. Die Konzerte fanden in Berliner Veranstaltungsorten, dem Pierre-Boulez-Saal und dem Radialsystem, statt, die jeweils unterschiedliche architektonische, visuelle und akustische Merkmale aufwiesen.
Neuer Umgang mit klassischer Musik
Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts „Experimental Concert Research“, das die Erfahrungen im Konzert untersuchen und die Zukunft klassischer Konzerte erforschen möchte. Die aktuellen Herausforderungen liegen in der sinkenden Attraktivität konventioneller Konzerte für jüngere Hörer. Öffentlich finanzierte Konzerthäuser und Orchester sehen sich aufgrund eines älter werdenden Publikums und der Abwanderung jüngerer Generationen einem erheblichen Druck ausgesetzt. Die Verantwortlichen reagieren mit innovativen Musikvermittlungsprojekten und neuen Konzertformaten, haben jedoch häufig nur begrenzte empirische Daten über das Erlebnis der Zuhörer zur Hand, wie experimental-concert-research.org vermerkt.
Die Untersuchungen beabsichtigen, klare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was das Konzerterlebnis im Kontext eines klassischen Konzerts heute prägt. Die Forschung fokussiere dabei die Interaktionsdynamik zwischen Musik, Musikern und dem sozialen Miteinander der Zuhörer. Über Fragebögen, physiologische Messungen wie Herzfrequenz und Verhaltensbeobachtungen werden wertvolle Informationen gesammelt, um die Erlebenspotenziale von Konzerten besser zu verstehen.
Empirische Erkenntnisse und deren Auswirkungen
Das Radialsystem in Berlin spielt eine zentrale Rolle in der Experimentierphase neuer Konzertformate. Bei Veranstaltungen wie dem Ultraschall Festival 2019 wurden innovative Ansätze zur Wahrnehmung klassischer Musik erprobt. Ein interdisziplinäres Forschungsteam erkundete in mehreren Studien die Auswirkungen variierter Rahmenbedingungen auf das Musikerlebnis. Rund 800 Freiwillige wurden dabei mit Messgeräten ausgestattet, um physiologische Reaktionen wie Herzschlag und Atemfrequenzen aufzuzeichnen. Diese Datenbeobachtungen zeigen, dass sich der Herzschlag der Zuhörenden während der Konzerte synchronisiert, was ein gemeinschaftsbildendes Gefühl verstärkt. Deutschlandfunk hebt hervor, dass überraschenderweise Konzepte wie Konzerteinführungen oder visuelle Elemente keinen messbaren Einfluss auf das Musikerlebnis haben.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die aktuell durchgeführte Forschung erheblichen Einfluss auf die künftige Gestaltung von Konzertformaten haben könnte. Die Erkenntnisse sollen dazu verwendet werden, die Konzertformate so anzupassen, dass sie den Erfahrungen und Bedürfnissen des Publikums gerecht werden. Indem Konzertveranstalter innovativ auf die Herausforderungen reagieren, haben sie die Möglichkeit, das kulturelle Angebot für zukünftige Generationen zu sichern und das gemeinsame Musikerlebnis neu zu definieren.