Wissenschaftler des Internationalen Hochschulinstituts (IHI) Zittau an der Technischen Universität Dresden haben kürzlich zwei neuartige Pilzarten entdeckt, die auf stark verbrannten Flächen im Nationalpark Sächsische Schweiz und im Naturschutzgebiet Gohrischheide vorkommen. Diese Entdeckungen, die im Rahmen von Studien zur Feuerökologie nach den Waldbränden im August 2022 gemacht wurden, könnten entscheidend für die Wiederbesiedlung von Brandschäden in gemäßigten Klimazonen sein. Die neu beschriebenen Brandstellen-Becherlinge spielen eine Schlüsselrolle im Wiederaufbau der betroffenen Ökosysteme. Laut tu-dresden.de ernähren sich diese Pilze wahrscheinlich von zuckerhaltigen Pflanzensäften, die aus feuergeschädigten Bäumen austreten.
Die Forschung zielt darauf ab, die natürliche Wiederbesiedlung von verbrannten Baumstämmen und Böden zu untersuchen. In der ersten Phase der Renaturierung sind Moose und Pilze dominierend. Die Inventarisierung dieser Arten bietet wertvolle Einblicke in die Sukzessionen des Ökosystems. Die Zusammenarbeit zwischen dem IHI Zittau, sächsischen Wissenschaftlern und dem belgischen Mykologen Nicolas van Vooren verstärkt die wissenschaftlichen Bestrebungen, die Auswirkungen und Chancen nach Waldbränden besser zu verstehen.
Ökologische Verjüngung durch Feuer
Waldbrände können zwar eine erhebliche Gefahr für Menschen und Tiere darstellen, aber sie führen auch zu einer ökologischen Verjüngung des Waldes. Diese Phänomene werden nicht nur in Sachsen beobachtet. In vielen Regionen der Welt, etwa im Süden der USA oder im Mittelmeerraum, sind bestimmte Pflanzenarten auf Feuer angewiesen, um sich fortzupflanzen. Die Douglasie, eine nordamerikanische Tannenart, beispielsweise übersteht Brände durch ihre dicke Borke und kann nach einem Brand frisch austreiben. Außerdem profitieren viele Tiere wie Störche und Greifvögel von den durch Feuer geschaffenen Lebensräumen.
Feuerforscher merken an, dass es manchmal ratsam ist, nicht jeden Waldbrand sofort zu löschen, solange die Sicherheit der Menschen nicht bedroht ist. Dies kann der Natur helfen, sich zu regenerieren, indem alten oder kranken Baumbestand beseitigt wird, während gleichzeitig neuer Lebensraum geschaffen wird. Diese dynamischen Prozesse werden durch das Vorhandensein von pyrophilen Pilzen, wie den neuen Brandstellen-Becherlingen, weiter gefördert.
Kontext der Brandflächenuntersuchung
Zusätzlich zu den Untersuchungen in Sachsen gibt es auch in Brandenburg umfassende Studien über die Folgen von Waldbränden. In Treuenbrietzen und Jüterbog wurden verschiedene Maßnahmen zur Renaturierung und zum Umgang mit dem Brandereignis ergriffen. Der größte Waldbrand in Brandenburg seit Jahrzehnten, der 2022 erfolgte, verbrannte eine Fläche von rund 800 Hektar. Eingeleitete Maßnahmen umfassen die natürliche Sukzession auf bestimmten Flächen sowie gezielte Aufforstung in anderen Bereichen.
Durch den Vergleich von verbrannten Flächen mit unverbrannten Referenzflächen versuchen Forscher, die Abfolge der Arten und deren Anpassungen zu analysieren. Diese Arbeiten sind wichtig, um nicht nur die ökologische Regeneration zu dokumentieren, sondern auch, um zu lernen, wie man besser mit zukünftigen Bränden umgehen kann, um die Biodiversität und Stabilität der Wälder zu sichern.
Die Erkenntnisse aus diesen Projekten und den dazugehörigen Untersuchungen leisten einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis der Feuerökologie und der Rolle, die verschiedene Organismen wie Löschpilze und Insekten dabei spielen, die von Feuer betroffenen Lebensräume zu revitalisieren. Während Menschen vor den unmittelbaren Gefahren von Waldbränden gewarnt werden müssen, ist es ebenso wichtig, die positiven ökologischen Effekte zu berücksichtigen, die solche Naturereignisse nach sich ziehen können.