Am 20. März 2026 hat Prof. Dr. Lucia Bellora-Bienengräber die Professur für Controlling und Nachhaltigkeit an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen (UDE) übernommen. Ihre Forschung beschäftigt sich mit den Herausforderungen, vor denen Unternehmen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen wie Digitalisierung, sozialer Gerechtigkeit und Klimawandel stehen. Besonders hervorgehoben werden die Aspekte der Mitarbeiterführung und deren Einfluss auf die Anpassungsfähigkeit sowie Zukunftsfähigkeit von Arbeitsplätzen. Diese Themen sind besonders relevant, da die Gesellschaft zunehmend mit den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) konfrontiert ist, die in viele Bereiche des Arbeitslebens Einzug hält.

Bellora-Bienengräber untersucht, wie verschiedene Faktoren wie Leistungsboni, Planungstools, Kennzahlen und Weiterbildungsprogramme die Mitarbeitenden unterstützen können. Sie legt besonderen Wert auf die direkte Reaktion der Belegschaft auf Künstliche Intelligenz, die oft ambivalente Gefühle hervorruft. Laut ihrer Analyse empfinden viele Beschäftigte KI als potenzielle Bedrohung, anstatt diese als Unterstützung zu nutzen. Ihr empirisches Forschungsprojekt, unterstützt durch ein Drittmittelprojekt der Foundation for Auditing Research, soll herausfinden, wie eine geeignete Mitarbeiterführung die Wahrnehmung von KI positiv beeinflussen kann.

Die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz

In der aktuellen Diskussion über KI wird immer wieder auf die Risiken hingewiesen, die mit ihrem Einsatz verbunden sind. Bellora-Bienengräber warnt, dass der Einsatz von KI zu Phänomenen wie „stillen Kündigungen“ oder häufigem Job-Hopping führen kann. Hierbei spielt die Wertschätzung der Arbeitnehmer:innen eine entscheidende Rolle. Um diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, ist es notwendig, die Mitarbeitenden in den Veränderungsprozess aktiv einzubeziehen. Ihre Forschung zielt darauf ab, sicherzustellen, dass Mitarbeitende Künstliche Intelligenz nicht als Bedrohung, sondern als wertvolle Unterstützung wahrnehmen.

Diese Thematik wird auch in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext behandelt. Auf der Digitalmesse re:publica in Berlin, die am 27. Mai 2025 stattfand, diskutierte Maximilian Kühn, Digitalexperte beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO), über die Auswirkungen von KI auf soziale Gerechtigkeit. Kühn betonte die Herausforderungen, die KI für benachteiligte Gruppen mit sich bringen kann, wie Ausgrenzung und mangelnde Teilhabe. Insbesondere die Gestaltung von Dienstleistungen und die digitale Teilhabe sind entscheidende Punkte in dieser Diskussion. KI-Modelle, die häufig auf Englisch basieren, können bestehende Benachteiligungen reproduzieren, was bereits zu einer Benachteiligung von sozial schwachen Menschen führt.

Die Rolle von Bildung und Teilhabe

Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Notwendigkeit, alle Gesellschaftsgruppen in die digitale Transformation einzubeziehen. Die AWO fordert deshalb ein digitales Existenzminimum als Teil des Bürgergeldes, um sicherzustellen, dass niemand von der digitalen Entwicklung abgehängt wird. Auch der Schulungsbedarf älterer Menschen im Umgang mit neuen Technologien wird hervorgehoben. Diese Schulungen sind allerdings oft unzureichend gesetzlich unterstützt, was eine wesentlichere Förderung voraussetzt. Die Workshop-Reihe auf der re:publica befasste sich intensiv mit sozial-ethischen Herausforderungen der KI und der dringlichen Notwendigkeit, Teilhabe für alle zu gewährleisten.

Bellora-Bienengräber hat eine umfassende akademische Laufbahn durchlaufen, die sie an renommierte Institutionen wie die Johns Hopkins University, die Clemson University, die Universität Hamburg und die University of Groningen geführt hat. 2025 wurde sie in den AK Internes Rechnungswesen und Controlling der Schmalenbach-Gesellschaft berufen und 2026 in den wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Instituts für Compliance. Hierdurch wird ihr Engagement für den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis deutlich.

Insgesamt ist es notwendig, eine Balance zwischen den Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz zu finden. Sowohl die Forschung von Bellora-Bienengräber als auch die Diskussionen auf Veranstaltungen wie der re:publica zeigen, dass es von entscheidender Bedeutung ist, eine inklusive und gerechte digitale Zukunft zu gestalten. Nur so können wir sicherstellen, dass alle Mitglieder der Gesellschaft gleichermaßen von den Entwicklungen profitieren können.

Für weitere Informationen über die Arbeiten von Bellora-Bienengräber klicken Sie bitte hier: Universität Duisburg-Essen.

Zusätzliche Informationen zu den Themen sozialer Gerechtigkeit und KI finden sich auf Tagesschau.de sowie auf Kluedo.