In einem bedeutenden Schritt zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Rückenmarkverletzungen wurde die Charité in Berlin und das Universitätsklinikum Bonn (ukb) mit einer neuen Professur für Forschung, Lehre und klinische Behandlung betraut. Hierbei wurde der international anerkannte Experte Prof. Jan Schwab berufen, der zuvor als Medizinischer Direktor am Belford Center for Spinal Cord Injury und als Tenured Professor für Neurologie an der Ohio State University tätig war. Diese Initiative verfolgt das Ziel, ein international sichtbares Zentrum für Forschung und Behandlung zu schaffen, das eng mit der Klinik für Neurologie und Experimentelle Neurologie sowie dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) verknüpft ist, wie Wübben Stiftung Wissenschaft berichtet.
Die bedeutende Forschung des Prof. Schwab liegt im Bereich der Neuroimmunologie von Rückenmarkverletzungen. Über 15 Millionen Menschen weltweit leben mit den Folgen solcher Verletzungen, die das Leben eines Einzelnen innerhalb von Sekunden verändern können. In den USA kommen jährlich etwa 11.000 neue Fälle hinzu. In dieser kritischen Lage soll das neue integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum darauf abzielen, klinische Fragestellungen direkt zu untersuchen und die neurologische sowie funktionelle Regeneration zu verbessern. Ein wesentlicher Aspekt dieser Forschung wird die Identifikation von sogenannten „recovery confounders“ sein, die die Regeneration nach Verletzungen beeinträchtigen können.
Ursachen und Auswirkungen von Rückenmarkverletzungen
Die Hauptursachen für Rückenmarkverletzungen sind bekannt: Unfälle im Straßenverkehr (38,3 %), Stürze (31,6 %), Gewalttaten (13,8 %) und Sportverletzungen (8,2 %). Die Schwere der Rückenmarkverletzung bestimmt die Beeinträchtigung der Körperfunktionen, die von vorübergehenden bis zu dauerhaften Veränderungen reichen können. In den USA leben schätzungsweise zwischen 250.000 und 400.000 Menschen mit den Folgen solcher Verletzungen, was die Notwendigkeit effizienter Behandlungsansätze unterstreicht. Als Risikofaktoren gelten Geschlecht, Alter und bestimmte Verhaltensweisen, einschließlich der Nichtnutzung von Sicherheitsgurten oder der Teilnahme an Extremsportarten, wie klinischestudien.at erörtert.
Die Symptome einer Rückenmarkverletzung können vielfältig sein und umfassen unter anderem Lähmungen, Gefühlsstörungen und Probleme mit Blase und Darm. Die frühzeitige Notfallversorgung hat entscheidenden Einfluss darauf, weitere Schäden zu verhindern und die Funktion des Nervensystems zu erhalten. Die Behandlung kann medikamentöse Ansätze, chirurgische Eingriffe und Rehabilitation umfassen; die Prognose hängt stark von der Schwere und der Lage der Verletzung ab.
Innovative Therapieansätze in der Zukunft
Die Entwicklung neuartiger Therapieansätze zur Minimierung von Komplikationen steht im Mittelpunkt der Zielsetzungen von Prof. Schwab und seinem Team. Innovative Therapien, wie die transkutane Rückenmarkstimulation, zellbasierte Therapien oder immunmodulierende Therapien werden bereits in klinischen Studien untersucht, um künftig effektive Lösungen zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten zu finden. Prof. Schwab betont die systemischen Auswirkungen von Rückenmarkverletzungen und sieht in der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Forschung, Lehre und Kliniken einen Schlüsselfaktor für den Erfolg.
Die Förderung von Nachwuchsforschern und die Translation von Forschungsergebnissen in klinische Studien zählen ebenfalls zu den zentralen Aspekten der neuen Professur an der Charité und dem ukb. Prof. Schwab, geboren in Stuttgart und mit einem umfassenden akademischen Hintergrund in Humanmedizin, steht an der Spitze dieser vielversprechenden Initiative.