Die Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat ihr Behandlungsspektrum erweitert. Ab sofort wird eine spezialisierte Sprechstunde für Verhaltensmedizin angeboten, die sich an Hunde, Katzen und weitere Tierarten richtet. Die verantwortliche Tierärztin, Claudia Richter, ist Diplomate des American College of Veterinary Behaviorists, was eine besondere Qualifikation in diesem Fachbereich darstellt, die durch eine mehrjährige veterinärmedizinische Weiterbildung erworben wird. Diese neue Sprechstunde zielt darauf ab, Verhaltensstörungen zu behandeln, die sowohl körperliche als auch emotionale Ursachen haben können.
Zu den häufigen Verhaltensauffälligkeiten, die in der Verhaltensmedizin behandelt werden, zählen Zwangsverhalten, kognitive Dysfunktion, Futterprobleme sowie Angst- und Aggressionsverhalten. Besonders Katzen sind mit spezifischen Problemen wie der Zusammenführung mehrerer Tiere, Angstverhalten und unerwünschtem Urinieren betroffen. Die Behandlung beginnt mit einem umfassenden Online-Fragebogen, gefolgt von einem telemedizinischen Erstgespräch, bevor eine gründliche klinische und verhaltensmedizinische Untersuchung erfolgt.
Individueller Therapieplan und enge Zusammenarbeit
Ein individueller Therapieplan wird erstellt, der medizinische Maßnahmen, verhaltenstherapeutische Ansätze und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung umfasst. Die Verhaltensmedizin an der TiHo arbeitet eng mit qualifizierten Trainern zusammen, die Tierbesitzer bei der Umsetzung der Therapiekonzepte anleiten. Klinikleiter Professor Holger Volk betont die Bereicherung, die die neue Sprechstunde für die TiHo mit sich bringt.
Claudia Richter hat über zehn Jahre Erfahrung in der Allgemeinpraxis in Kanada und sammelte umfangreiche Kenntnisse in der Verhaltensmedizin. Nach ihrer Residency beim American College of Veterinary Behaviorists, die sie 2024 erfolgreich abschloss, führte sie viele Jahre eine eigene Praxis für Verhaltensmedizin in Vancouver. Die Verhaltensmedizin hat sich als wichtiges Fachgebiet etabliert, das nicht nur die Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten umfasst, sondern auch präventive Maßnahmen in der Tiergesundheit fördert. Das American College of Veterinary Behaviorists unterstützt diese Entwicklung durch Forschung und Ausbildung.
Informationen für interessierte Tierbesitzer und Studierende
In den kommenden Monaten ist geplant, das Team der Verhaltensmedizin an der TiHo weiter auszubauen. Richter hat das Ziel, auch Studierende der Tiermedizin für das Fachgebiet Verhaltensmedizin zu begeistern. Für weitere Informationen und Formulare für den Erstkontakt steht eine Webseite zur Verfügung: www.tiho-hannover.de/verhalten.
Die Verhaltensmedizin ist ein wichtiges Teilgebiet der Tiermedizin. Während Tierärzte grundlegende medizinische und Verhaltensprobleme diagnostizieren und behandeln können, sind spezialisierte Tierärzte mit dem Titel DACVB oftmals die erste Anlaufstelle für komplexe Verhaltensstörungen. Diese Diplomate sind ausgebildete Fachkräfte, die eigens für die Diagnose und Behandlung von Verhaltensproblemen, einschließlich der Verschreibung von Medikamenten, qualifiziert sind. Abgesehen von DACVBs gibt es auch andere Fachkräfte im Tierverhalten, wie CAABs, die zwar keine Medikamente verschreiben dürfen, aber eng mit Tierärzten zusammenarbeiten, um Verhaltensprobleme zu managen.
Die TiHo steht in einem größeren Kontext der veterinärmedizinischen Ausbildung und Forschung. Die Freie Universität Berlin ist eines von fünf deutschen Ausbildungszentren, das seit 1790 besteht und eine Vielzahl von Programmen zur Ausbildung zukünftiger Tierärzte bietet. Über 1.500 Studierende werden hier in einem umfassenden Curriculum ausgebildet, das sich auch mit den Herausforderungen der Verhaltensmedizin auseinandersetzt.