Am 15. April 2026 hat ein neues Forschungsprojekt zur Verbesserung der Sprachmittlung in der Kommunikationsüberwachung (KÜ) bei Polizei und Justiz offiziell begonnen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Verbundprojekt QSEK mit rund 880.000 Euro. Ziel des Projektes ist es, die Qualität und Effizienz der sprachlichen Übersetzungen in Ermittlungsfällen zu optimieren, wobei der Schwerpunkt auf schwerwiegenden Straftaten liegt, die akustische Überwachung von Telefonen, Innenräumen oder Fahrzeugen erfordern. Sprachmittlerinnen und Sprachmittler spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Gespräche und Chats in verschiedenen Sprachen übersetzen, insbesondere wenn diese nicht auf Deutsch geführt werden.
Die Ergebnisse der Sprachmittlung sind nicht nur für die Ermittlungen entscheidend, sondern auch von Bedeutung für die Beweisführung vor Gericht. Durch die Professionalisierung der KÜ-Sprachmittlung soll die Effizienz der Ermittlungen gesteigert und gleichzeitig Kosteneinsparungen für Polizei und Justiz erreicht werden. Ein weiterer Aspekt des Projektes ist die Schaffung eines einheitlichen Qualifikationsprofils für Sprachmittler, das spezifische Kompetenzen fördert und auf den Umgang mit modernen KI-Anwendungen vorbereitet.
Wissenschaftliche und praktische Ansätze
Das interdisziplinäre Forschungsprojekt wird von Prof. Dr. Cornelia Griebel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Kriminaldirektor Joachim Faßbender und Prof. Dr. Lars Berster von der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) geleitet. Zudem unterstützt ein Beirat, der Institutionen wie den Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt umfasst, den Prozess. Um die Projektergebnisse in die Praxis zu übertragen, ist das Oberlandesgericht Düsseldorf als Innovationsmentor beteiligt.
Eine Polizeibeamtin beschreibt die Rolle von Sprachmittlern während Ermittlungen als essenziell, da sie nicht nur Übersetzungen bereitstellen, sondern auch wertvolle Hinweise geben können, die die Ermittlungen vorantreiben. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt von Nadja Capus von der Universität Neuchâtel, Cornelia Griebel und Ivana Havelka von der Universität Wien untersucht spezifisch die Rolle der Sprachmittler in geheimen Kommunikationsüberwachungen und deren Auswirkungen auf die Informationssammlung.
Rechtliche und praktische Herausforderungen der Sprachmittlung
Die Kommunikationsüberwachung (KÜ) ist dabei eine Methode, die das Abfangen von schriftlichen und mündlichen Inhalten von Verdächtigen umfasst. Eine Analyse der Translationsprozesse und der Methoden der Sprachmittlung stellt fest, dass rechtliche Bedingungen für die Verwertbarkeit von Übersetzungen in Strafverfahren kritisch sind. Die Untersuchung, die substanzielle Daten aus Strafakten und Umfragen verwendet, beschäftigt sich außerdem mit linguistischen Aspekten und deren Einfluss auf die Verarbeitung abgehörter Kommunikation.
Die Ergebnisse dieser umfassenden Analyse werden in einer Monografie zusammengefasst, die acht Kapitel umfasst. Die Autorinnen thematisieren unter anderem die Reliabilität von Übersetzungen, Unvoreingenommenheit und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Dokumentation. Diese Monografie ist für angehende Sprachmittler sowie für die Ausbildung von Polizeikräften und Staatsanwälten von Bedeutung und wird in englischer Sprache 2024 veröffentlicht, während die deutsche Version kostenpflichtig bleibt.
Die Arbeit der Sprachmittler ist entscheidend, um Gerechtigkeit und Fairness im Strafprozess zu wahren. In Anbetracht der fortschreitenden Digitalisierung und des technologischen Wandels bleibt die Professionalisierung der KÜ-Sprachmittlung eine dringliche und notwendige Aufgabe, um den Anforderungen an moderne Polizeiarbeit gerecht zu werden. Angesichts dieser Faktoren wird das Projekt QSEK als ein Schritt zur Schließung von Lücken in Forschung und Praxis betrachtet, um die relevante Rolle der KÜ-Sprachmittlung weiter zu stärken und zukunftssicher zu gestalten.