Der Frühling 2026 bringt nicht nur erfreuliche Temperaturen, sondern auch ein erhöhtes Risiko für Wildunfälle und die Entdeckung verletzter oder verlassener Jungtiere mit sich. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) die App Wildtier-SOS entwickelt. Diese innovative Anwendung ist ab sofort in den App-Stores für Android und iOS verfügbar und soll eine schnelle, unkomplizierte Hilfe bieten, um unnötiges Tierleid zu vermeiden.

Die Entwicklung der App erfolgt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt mit rund 250.000 Euro unterstützt. Die App verfolgt drei zentrale Funktionen:

  • Die Bestimmung der Tierart oder Tiergruppe durch einfache Beantwortung weniger Fragen.
  • Bereitstellung von Informationen zu den jeweiligen Arten, deren Biologie, dem Umgang mit ihnen und rechtlichen Aspekten.
  • Anzeige von Anlaufstellen in der näheren Umgebung für hilfsbedürftige Tiere.

Wichtige Hilfestellungen für den Nutzer

Professor Dr. Michael Pees weist darauf hin, dass nicht immer ein Eingreifen notwendig ist, beispielsweise bei Rehkitz, die allein sitzen. Die App liefert jedoch schnelle Empfehlungen in Fällen von offensichtlichen Verletzungen oder Wildunfällen. Die Bedeutung des ökologischen Gleichgewichts wird auch von DBU-Generalsekretär Alexander Bonde hervorgehoben, der auf die Gefahren durch das Entnehmen von Wildtieren eingeht.

Besonders häufig kommen Probleme bei Jungvögeln und Feldhasen vor, die aufgrund gut gemeinter Hilfeaktionen entstehen können. Die Nutzung der App ist kostenlos, anonym und erfordert keine vorherige Anmeldung. So können bereits über 4.000 Notfallkontakte und etwa 100 häufig vorkommende Wildtierarten in Deutschland (ca. 95% der Fälle) abgedeckt werden. Die App wird kontinuierlich erweitert, um ein umfassendes Angebot für Wildtierarten zu schaffen und eine Plattform mit Bürgerbeteiligung zu etablieren.

Citizen Science: Bürger als Forscher

Im Zusammenhang mit Wildtieren in urbanen Räumen spielt auch das Konzept der „Citizen Science“ eine entscheidende Rolle. In Baden-Württemberg leben Menschen und Wildtiere dicht zusammen, was oft zu Konflikten führt. Während das Monitoring von Wildtierpopulationen in urbanen Gebieten aufgrund von privaten Besitzstrukturen und Betretungsverboten oft herausfordernd ist, werden Bürger*innen zunehmend in die Datenerhebung einbezogen.

Das Forschungsprojekt Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württembergs nutzt Mittel der Jagdabgabe zur Förderung des Wissens über Wildtiere und zur Erhebung relevanter Daten. Eine Meldeplattform namens „Wilde Nachbarn Baden-Württemberg“ wurde deshalb in Kooperation mit dem Schweizer Verein „StadtNatur“ ins Leben gerufen, um langfristig Daten für das Wildtiermonitoring im Siedlungsraum bereitzustellen.

Daten, die über diese Plattform gesammelt werden, sollen als Grundlage für wissenschaftliche Analysen über Wildtiere in städtischen Gebieten dienen. Gleichzeitig haben Wissenschaftler die Chance, ihr Wissen über Wildtiere an die Bürger weiterzugeben und so grundlegende Datenlücken zu schließen.

Die App Wildtier-SOS könnte in Kombination mit diesen Bemühungen einen prägnanten Beitrag leisten, um Mensch und Wildtier in urbanen Räumen ein harmonischeres Zusammenleben zu ermöglichen.