Die Universität Oldenburg hat eine neue Servicestelle „Digital Humanities“ eingerichtet. Diese Initiative zielt darauf ab, die Anwendung digitaler Methoden in der geisteswissenschaftlichen Forschung zu unterstützen. Begriffe wie Topic Modeling, Distant Reading und Stilometrie stehen im Mittelpunkt der Digital Humanities (DH). Dieses interdisziplinäre Feld befindet sich an der Schnittstelle zwischen Geistes-, Kultur-, Sprach- und Gesellschaftswissenschaften sowie der Informatik. Dabei sollen sowohl aktuelle Forschungsfragen als auch neue Technologien in die Wissenschaft integriert werden.
Die Servicestelle wird von Jonas Kaiser, einem Historiker und wissenschaftlichen Bibliothekar, sowie Rina Martina Ferdinand und Jan Frederik Maas geleitet. Heike Andermann, die Direktorin des Bibliotheks- und Informationssystems, hebt hervor, dass die Servicestelle dauerhaft verfügbar sein wird. Die Hauptadressaten dieser Angebote sind die Fakultäten I, II, III und IV. Darüber hinaus wird ein besonderes Augenmerk auf die Unterstützung bei Förderanträgen und die Auswahl geeigneter DH-Methoden gelegt.
Beratung und Schulung im digitalen Zeitalter
Das Angebot der neuen Servicestelle umfasst umfassende Beratung, Schulungen und Vernetzung. Offene Onlinesprechstunden und regelmäßige Schulungen werden angeboten, darunter ein Einführungskurs in Python. Außerdem findet monatlich ein „DH-Stammtisch“ statt, der den Austausch von Ideen und Impulsen fördert. Interessierte können sich in eine Mailingliste eintragen, um über aktuelle Angebote informiert zu werden.
Die Servicestelle ist aktiv in verschiedene DH-Forschungsprojekte integriert. Positive Resonanz bezüglich der aktiven Einbindung in Forschungsprojekte ist von Heike Andermann verzeichnet worden. Sie weist darauf hin, dass immer mehr Forschende Interesse an digitalen Methoden zeigen, was der früheren Skepsis gegenüber Digital Humanities entgegenwirkt.
Methoden und Anwendungen in den Digital Humanities
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Topic Modeling, einer Methode zur Analyse von Texten, die sich auf Korpora konzentriert. Diese Technik behandelt Texte als „Eimer von Wörtern“ und identifiziert daraus relevante Themen. Gängige Tools für Topic Modeling, wie zum Beispiel die Software MALLET, nutzen statistische Methoden wie die Direchlet-Präferenzen und bayesische Modelle. Die Techniken stammen aus dem Bereich der Informatik und des maschinellen Lernens. Die Software ist besonders bei Geisteswissenschaftlern beliebt.
Die Bekanntschaft mit Topic Modeling nahm ab 2010 zu, als zahlreiche Einführungen für Geisteswissenschaftler stattfanden. Ein NEH-gefördertes Institut in UCLA führte viele Geisteswissenschaftler erstmals in diese Methode ein. Jüngste Arbeiten in diesem Bereich beinhalten auch kritische Perspektiven, die in einer speziellen Ausgabe des *Journal of Digital Humanities* dargelegt werden. Fachleute betonen die Notwendigkeit, sich der Herausforderungen und Grenzen des Topic Modeling bewusst zu sein.
Bedeutende Projekte, die Topic Modeling einsetzen, sind beispielsweise Arbeiten von Matthew L. Jockers und David Mimno. Sie zeigen die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten, die sich aus dieser Methode ergeben. Die Diskussionen über die Methode finden häufig in Konferenzen, Blogs und Workshops statt und bieten somit auch kritische Auseinandersetzungen mit den Methoden an.
Aussichten für die Zukunft
Das Interesse an den Digital Humanities wächst stetig, und die neue Servicestelle an der Universität Oldenburg könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Der Bedarf an Know-how in diesen Bereichen nimmt zu, und die Servicestelle könnte dazu beitragen, dies in der akademischen Gemeinschaft zu verankern. Auf der internationaleren Ebene werden diskursive Räume in digitalen Formaten immer wichtiger, um die Entwicklungen und Herausforderungen der Digital Humanities zu diskutieren.
Die Universität Oldenburg hat mit dieser neuen Einrichtung einen entscheidenden Schritt unternommen, um sich in einem sich schnell entwickelnden Feld zu positionieren. Die Kombination aus traditioneller Wissenschaft und modernen digitalen Methoden könnte die Forschungslandschaft der Geisteswissenschaften nachhaltig verändern.