Dr. Hans Roth hat am 1. April 2026 seine Tätigkeit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) aufgenommen, unterstützt durch eine hochgradige Emmy Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit einem Fördervolumen von rund 1,2 Millionen Euro wird Roths Projekt mit dem Titel „Brechts Gespenster – Theaterwissenschaftliche Theoriebildung im Ausgang des (Post-)Marxismus“ über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren gefördert.
Roth plant den Aufbau einer Forschungsgruppe, die aus ihm und zwei Doktorand*innen bestehen wird. Er hebt hervor, dass die Theaterwissenschaft an der JGU ein anregendes Umfeld für sein Vorhaben bietet, insbesondere durch die enge Verbindung zum Sonderforschungsbereich „Humandifferenzierung“. Ziel der Forschungsgruppe ist es, das Theorieverständnis der deutschsprachigen Theaterwissenschaft in der Zeit des Kalten Kriegs und der Teilung Deutschlands intensiver zu untersuchen.
Forschungsfokus und Methodik
<p<Die Gruppe wird sich intensiv mit marxistischen und postmarxistischen Ansätzen sowie den Debatten um das geistige Erbe von Bertolt Brecht auseinandersetzen. Roth betont, dass die Geschichte der Theaterwissenschaft im bis 1990 geteilten Deutschland bislang kaum erforscht ist. Eine zentrale Analyse wird sich auch mit den Wechselwirkungen zwischen künstlerischen Entwicklungen und akademischen Diskursen rund um Brechts Werke beschäftigen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einem Vergleich der in der DDR entwickelten Ansätze zur Theatralitätsforschung mit dem postdramatischen Ansatz der sogenannten „Gießener Schule“. Dieser Vergleich soll neue Perspektiven auf die Wahrnehmung und die Theorie des Theaters im deutschen Kontext ermöglichen.
Profil von Dr. Hans Roth
Roth bringt umfassende akademische Erfahrungen mit. Nach seinem Studium der Theater- und Politikwissenschaft an der JGU erwarb er einen Master in Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin (FU), wo er auch promovierte mit einer Arbeit über „Die komische Differenz. Zur Dialektik des Lächerlichen in Theater und Gesellschaft“. Vor seinem Wechsel an die JGU war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft der FU tätig und war Teil des Sonderforschungsbereichs „Affective Societies“. Zuletzt agierte er als Lehrbeauftragter an der Universität Wien.
Die Emmy Noether-Förderung zielt darauf ab, hochqualifizierten Forscher*innen die Möglichkeit zu geben, eigenverantwortlich Gruppen zu leiten und qualifikationsspezifische Lehraufgaben zu übernehmen, um so die Voraussetzungen für eine Berufung als Hochschullehrer*in zu schaffen. Das Programm ist offen für Wissenschaftler*innen aller Disziplinen, in der Regel bis vier Jahre nach der Promotion, jedoch sind mindestens zwei Jahre Postdoc-Erfahrung erforderlich. Insbesondere ausländische Bewerber*innen müssen sich verpflichten, ihre wissenschaftliche Karriere nach der Förderung in Deutschland fortzusetzen, was Roths Engagement und Entschlossenheit zur Stärkung der deutschen Theaterwissenschaft unterstreicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dr. Hans Roths Projekt nicht nur eine Bereicherung für die JGU und die Theaterwissenschaft ist, sondern auch einen bedeutsamen Beitrag zur Forschung über die kulturellen und historischen Dimensionen des Theaters in der Zeit der deutschen Teilung leisten könnte. Weitere Details zur Emmy Noether-Förderung und den Berechtigungen finden Interessierte auf der Seite der DFG.