Ein neues, innovatives Projekt zur tierschutzgerechten Ausstallung und Verladung von Legehennen hat kürzlich an der Universität Osnabrück begonnen. Ziel des Projekts ist es, die Stressreaktionen der Tiere während des Fangs und Verladens zu evaluieren und somit tiergerechtere Methoden zu entwickeln. Diese Initiative ist ein Ergebnis einer Kooperation zwischen der Universität Osnabrück und der Tierärztlichen Hochschule Hannover, unterstützt durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wie uni-osnabrueck.de berichtet.

In Deutschland hat sich die Haltung von Legehennen in den letzten Jahren signifikant verbessert. Ab dem 1. Januar 2010 wurde die konventionelle Käfighaltung verboten, zwei Jahre bevor dies EU-weit vorgeschrieben war. Aktuell leben 81 % der Legehennen in Boden- oder Freilandhaltung, wie bmleh.de feststellt. Diese Veränderungen stehen im Einklang mit dem wachsenden Bewusstsein für Tierschutz und den Anforderungen der Verbraucher.

Projektstruktur und Ziele

Das Projekt zur Überprüfung der Fang- und Verladeprozesse ist in zwei Teilprojekte untergliedert. Das erste Teilprojekt untersucht die Einflüsse des aufrechten Fangs und der unterschiedlichen Greifmethoden auf das Tierwohl, die Verladezeit, die Arbeitsbelastung und die ökonomischen Aspekte. Das zweite Teilprojekt vergleicht die Stressreaktionen bei zwei Fangmethoden: dem aufrechten Fangen und dem überkopf Greifen. Die wissenschaftliche Einschätzung dieser Stressreaktionen steht derzeit noch aus.

Eine zentrale Methodik des Projekts ist die Messung von Corticosteron im Kot der Tiere, um den Stresslevel der Hennen objektiv zu bewerten. Bei der aktuell praktizierten Fangmethode, bei der die Hennen an den Beinen gegriffen und kopfüber in Transportbehältnisse verladen werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Verletzungen sowie die Möglichkeit von Schmerzen und Stress. Es gilt daher, alternative Methoden zu entwickeln, die diese Risiken minimieren.

Tierschutz und Haltungsbedingungen

Die allgemein anerkannte Verbesserung der Haltungsbedingungen für Legehennen ist auch ein Ergebnis der Politik in Deutschland, die eine Vorreiterrolle im europäischen Tierschutz einnimmt. So reduzierte sich der Anteil der in Käfigen gehaltenen Legehennen bis 2024 auf lediglich 4,3 %, wobei der Großteil in Bodenhaltung lebt. Zudem haben Verbraucherentscheidungen, insbesondere in Bezug auf Bio- und Freilandprodukte, Einfluss auf die Haltungspraktiken, wie der jetzt veröffentlichte Bericht von thuenen.de zeigt.

Die Kaufgewohnheiten der deutschen Haushalte reflektieren ein wachsendes Interesse an tierfreundlicheren Produkten. Im Jahr 2023 lagen die Anteile von Eiern aus Boden- und Freilandhaltung bei 54,4 % bzw. 30,9 % der Haushaltseinkäufe. Zudem stieg das allgemeine Bewusstsein für Tierschutz, das durch gesetzliche Rahmenbedingungen wie das Verbot des Kükentötens gestärkt wurde.

Das Projekt an der Universität Osnabrück ist ein weiterer Schritt in die Richtung eines verbesserten Wohlbefindens der Legehennen. Die Erkenntnisse der Forschung könnten entscheidend zur Weiterentwicklung tiergerechter Haltungs- und Fangmethoden beitragen und damit langfristig positiven Einfluss auf die gesamten Haltungspraktiken in Deutschland haben.