Die Europäische Kommission hat die „Urbane Flusslandschaft Pader“ in Paderborn mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel (EKS) ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigt die besondere Bedeutung der Stätte für die Geschichte, Kultur und Werte Europas. Die Auszeichnung wird an Orte verliehen, die exemplarisch für europäische Werte stehen und die eine Rolle in der Geschichte Europas spielen.
Die Stadt Paderborn reichte im Jahr 2023 die Bewerbung mit dem Titel „Stadt. Mensch. Fluss. – Die Pader für Europa“ ein. Diese Bewerbung entstand in enger Kooperation mit dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte der Universität Paderborn. Die Entscheidung zur Auszeichnung fiel nicht nur aufgrund der historischen Relevanz, sondern auch wegen der Aktivitäten zur Vermittlung der besonderen Wertigkeit der Pader an Besucher und Bürger.
Beispiele für europäische Wasserkultur
Die Pader hat ihren Ursprung in einem der wasserreichsten innerstädtischen Quellgebiete Europas und fließt auf einer Gesamtlänge von 4,6 Kilometern ausschließlich durch Paderborn. Diese einzigartige Wasserressource steht für eine jahrhundertealte europäische Wasserkultur, die von der vorindustriellen Nutzung bis hin zu modernen Ansätzen der Stadtentwicklung reicht. Die Stadtverwaltung sieht die Pader als Beispiel dafür, wie nachhaltiger Umgang mit Wasser über mehr als 1.200 Jahre das Leben und Wirtschaften in Europa geprägt hat.
Im Rahmen des Bewerbungsprozesses hat das Historische Institut an der Aufarbeitung der Geschichte der Pader mitgewirkt. Ein virtuelles Rundgangsprojekt zeigt das westliche Paderquellgebiet, wie es im Jahr 1920 aussah. Zudem wurde das Online-Portal „Paderpedia“ ins Leben gerufen, das detaillierte Informationen über den kürzesten Fluss Deutschlands bietet.
Zukunftsorientierte Bildungsinitiativen
Die erfolgreiche Bewerbung um das EKS ist nicht nur ein Zeichen des kulturellen Erbes, sondern auch ein strategischer Schritt für die Zukunft. Zukünftig sollen entlang des Flusses Lern- und Begegnungsorte entstehen, welche digitale und analoge Formate verknüpfen. Bildungsangebote sowie internationale Kooperationen sind geplant, um insbesondere junge Menschen für Themen wie Nachhaltigkeit, europäisches Kulturerbe und den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser zu sensibilisieren.
Stefan-Oliver Strate, Bürgermeister von Paderborn, hat die Bedeutung der Auszeichnung für die Stadt hervorgehoben. Er betont, dass diese Initiativen die Identität, Bildung und nachhaltige Stadtentwicklung stärken sollen. Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft von Nordrhein-Westfalen, bekräftigt dies, indem sie die Paderquellen als „Oase der Erholung“ und einzigartigen Kulturschatz beschreibt.
Die feierliche Verleihung des EKS ist für den 22. April 2026 in Brüssel geplant. Paderborn ist eine von dreizehn Stätten, die in diesem Jahr aus insgesamt 14 Mitgliedstaaten mit dem Siegel ausgezeichnet werden. Das EKS wurde seit seiner Einführung im Jahr 2011 insgesamt 80 Stätten verliehen und fördert ein lebendiges Museum des gemeinsamen Erbes Europas. Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration von Rheinland-Pfalz, hebt die Vielfalt des europäischen Kulturerbes hervor und verdeutlicht damit die kulturelle Bedeutung dieser Auszeichnung.