Allgemein

Pflegenotstand: Migranten kämpfen um Anerkennung und Integration!

Der Pflegesektor in Deutschland steht vor enormen Herausforderungen, die sowohl durch den demografischen Wandel als auch durch strukturelle Probleme innerhalb der Branche bedingt sind. [Europa-Universität] berichtet, dass die Migration von Fachkräften häufig als Lösung für den akuten Arbeitskräftemangel im Pflegebereich gesehen wird. Es sind jedoch nicht nur die Anzahl der Fachkräfte, die oft im Fokus steht, sondern auch die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten.

Frühere positive Darstellungen in den Medien, die gezielte Migration als erfolgreiches Beispiel anpriesen, zeigen sich zunehmend in einem anderen Licht. Insbesondere migrantische Pflegekräfte berichten von Enttäuschungen hinsichtlich der Anerkennung ihrer Qualifikationen und der ihnen angebotenen Möglichkeiten. Viele Fachkräfte mit einer hohen Ausbildung im Ausland finden sich in Deutschland oft als „Anlernkraft“ wieder, was die Diskrepanz zwischen ihren Erwartungen und der Realität verdeutlicht.

Der Wandel im Pflegeberuf

Die arbeitsrechtlichen Bedingungen im Pflegesektor sind angespannt. Ein zentrales Problem sind die Arbeitszeiten, die oft in ihrer Dauer und Belastung nicht begrenzt sind. In der Live-In-Pflege, wo der Großteil der Arbeitskräfte Frauen über 50 sind, häufen sich zudem arbeitsrechtliche Verstöße, die meist ignoriert werden. [bpb] hebt hervor, dass bis 2035 voraussichtlich fast 500.000 Fachkräfte fehlen werden, während die Bedingungen für bestehende und neue Mitarbeiter weiter verschärft werden.

Ein Grund für den anhaltenden Mangel sind auch die hohen psychischen und physischen Belastungen, die mit der Pflege verbunden sind. Die Ökonomisierung des Gesundheits- und Pflegewesens hat zu einem hohen Zeitdruck und unzureichenden finanziellen sowie gesellschaftlichen Anerkennung der Pflegearbeit geführt. Diese Faktoren führen nicht nur zu Unzufriedenheit, sondern auch zu einer hohen Fluktuation unter den Beschäftigten.

Strategien zur Rekrutierung und Integration

Die aktuelle Situation hat dazu geführt, dass Zuwanderung als eine Strategie zur Bekämpfung des Pflegenotstands angesehen wird. Die [bpb] vermerkt, dass in den letzten Jahren das Programm „Triple Win“, welches Pflegekräfte aus Nicht-EU-Staaten rekrutiert, erfolgreich in Betrieb genommen wurde. In 2022 waren beispielsweise rund 23.000 Staatsangehörige der damit angesprochenen Länder im Pflegebereich tätig.

Doch der Weg in die Pflege ist oft steinig. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse gestaltet sich außerordentlich kompliziert. Voraussetzung für eine Anerkennung als Fachkraft sind Deutschkenntnisse auf B2-Niveau. Ein Mangel an betrieblicher Unterstützung bei der Integration und beim Spracherwerb führt dazu, dass viele zugewanderte Pflegekräfte unter ihren Fähigkeiten und Potentialen arbeiten müssen.

Die Erwartungen an die Migration im Pflegebereich werden nicht nur durch Anwerbeprogramme, sondern auch durch notwendige strukturelle Änderungen geprägt. Eine Verbesserung der Qualifikations- und Aufstiegsmöglichkeiten, der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsschutzes sind notwendige Schritte, um das Vertrauen der Fachkräfte zurückzugewinnen. In einem kürzlich veröffentlichten Policy Paper wird betont, dass diese Aspekte für alle EU-Mitgliedstaaten von hoher Relevanz sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschland vor der Herausforderung steht, nicht nur neue Pflegekräfte zu gewinnen, sondern sie auch nachhaltig zu integrieren. Kooperationen zwischen allen beteiligten Akteuren sind entscheidend, um die Situation im Pflegesektor nachhaltig zu verbessern und die Drohung einer weitergehenden Versorgungskrise abzuwenden. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Maßnahmen auf politischer Ebene ergriffen werden, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Statistische Auswertung

Beste Referenz
europa-uni.de
Weitere Infos
bpb.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert