Die Schweinswale in der Ostsee sind in großer Gefahr. Ein internationales Forschungsprojekt mit dem Namen CUMBIAH (Coordinated Monitoring of the Baltic Harbour Porpoise) wurde ins Leben gerufen, um diesen schüchternen Meeressäugern ein besseres Überleben zu ermöglichen. Dabei arbeiten 14 Partner aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Estland, Finnland und Litauen zusammen, um geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Das Deutsche Meeresmuseum hat die Leitung des Projekts unter der wissenschaftlichen Mithilfe von Potsdamer Evolutionsbiologen unter Prof. Dr. Ralph Tiedemann übernommen. Die Laufzeit des Projektes erstreckt sich über fünf Jahre, wobei die finanziellen Mittel vom Bundesumweltministerium bereitgestellt werden, wie bfn.de berichtet.
Die Ziele des Projektes sind klar: Verlässliche Daten zur Populationsstruktur, Bedrohung und Lebensraumqualität der Schweinswale sollen gesammelt und ausgewertet werden. Dies ist dringend notwendig, denn die Schweinswal-Population der zentralen Ostsee gilt als akut vom Aussterben bedroht; Schätzungen zufolge leben nur noch wenige Hundert Tiere in dieser Region. Diese Population hat in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch abgenommen, was auf Gefahren wie Fischerei, Umweltverschmutzung und den stetigen Einfluss von Unterwasserlärm zurückzuführen ist. Die Bestände der Ostseepopulation, die aus geschätzten 500 Tieren besteht, befinden sich in einem alarmierenden Rückgang, wie uni-potsdam.de hervorhebt.
Monitoring von bedrohten Arten
Durch das Projekt sollen umfassende Monitoring-Programme zur Bestandsaufnahme und Analyse der Altersstruktur der Schweinswale implementiert werden. Dabei kommen moderne Techniken wie die Analyse von Umwelt-DNA (eDNA) und stationary acoustic devices (C-PODs) zum Einsatz. Diese Akustik-Messgeräte sind in der Lage, die charakteristischen Echoortungslaute der Tiere zu erfassen und ermöglichen damit eine Akustik-basierte Identifikation, insbesondere von Jungtieren. Ziel ist es unter anderem, Geburtszeiten und Aufzuchtorte der Schweinswale zu ermitteln.
Ein wichtiger Faktor, der ebenso in den Mittelpunkt des Projektes rückt, ist das Totfundmonitoring. Hierbei werden ergriffene Guanrantiemaßnahmen evaluiert, und der allgemeine Gesundheitszustand der Tiere hinsichtlich Alter, Ernährungszustand sowie etwaiger Krankheiten oder Todesursachen untersucht. Diese wertvollen genetischen Daten dürfen den Forschungsteam zufolge nicht nur der Beurteilung von Populationsgrößen und -trends dienen, sondern bieten auch Ansatzpunkte für gezielte Schutzmaßnahmen, die an die Bedürfnisse und Verhaltensmuster der Tiere angepasst werden können.
Die Lebensweise der Schweinswale
Die Schweinswale haben faszinierende Anpassungen an ihre Lebensräume in der Ostsee entwickelt. Diese Tiere sind vor einigen tausend Jahren nach der Eiszeit eingewandert und haben sich an die spezifischen Gegebenheiten ihrer Umgebung angepasst. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Fische, wobei sie sich auch an den geringeren Salzgehalt der Ostsee angepasst haben. In strengen Wintern sind die Wale gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um nicht unter dem Eis zu ertrinken. In der Fortpflanzungszeit suchen sie bestimmte Gebiete auf, während sie außerhalb dieser Zeiten häufig zwischen verschiedenen Seegebieten migrieren.
Das Projekt zielt darauf ab, die durch Fischerei, Umweltverschmutzung und Lärm verursachten Risiken für die Schweinswal-Population zu mindern. Dazu werden Managementzonen, Schonbereiche und regulatorische Maßnahmen zur Minderung des Unterwasserlärms angestrebt. All diese Bestrebungen sollen dazu beitragen, dass die Scheu und die durch Bedrohungen verursachten Belastungen der Schweinswale in der Ostsee im Laufe der nächsten Jahre verringert werden.
Die Erkenntnisse, die aus dem CUMBIAH-Projekt gewonnen werden, könnten nicht nur entscheidende Informationen für das Artenschutzmanagement liefern, sondern auch eine wichtige Grundlage für zukünftige Monitoring-Kampagnen sein. Das Verständnis und der Schutz dieser einzigartigen Tierart steht also im Zentrum des Engagements der Wissenschaftler, die entschlossen sind, ihren Teil zum Erhalt der Schweinswale in der Ostsee beizutragen.