Am 18. März 2026 gab die Friedrich-Ebert-Stiftung bekannt, dass der Preis „Das politische Buch“ in diesem Jahr an Prof. Dr. Rainer Mühlhoff von der Universität Osnabrück verliehen wird. Diese Auszeichnung erkennt sein Buch „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ (Reclam, 2025) als bedeutende Neuerscheinung an, die sich kritisch mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen auseinandersetzt. Die feierliche Preisverleihung findet am 21. Mai 2026 in Berlin statt.
Mühlhoffs Werk bietet eine tiefgehende Analyse der ideologischen, politischen und ethischen Dimensionen der Künstlichen Intelligenz. Die Jury des Preises lobt insbesondere seine kritische Auseinandersetzung mit den sogenannten „Tech-Ideologien“ und deren weitreichenden Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Der Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz bekämpft die weit verbreitete Praxis des Datenmissbrauchs, die Überwachung von Individuen, den Verlust privater Kontrolle sowie die wirtschaftliche Ausbeutung, die aus der zunehmenden Digitalisierung resultieren.
Vielschichtige Kritik an der Technologiediskussion
Mühlhoff nimmt eine klare Position ein gegen den techno-utopischen Diskurs, der von großen Technologieunternehmen vorangetrieben wird. Er warnt davor, dass eine unkontrollierte Entwicklung von KI-gestützten Technologien demokratische Institutionen aushöhlt und rechtliche Normen gefährdet. Die daraus resultierenden antidemokratischen Tendenzen zwischen der Tech-Industrie und autoritärer Politik sind für ihn ein zentraler Diskussionspunkt.
Zusätzlich thematisiert Mühlhoff in seinem Buch populäre Narrativen über Künstliche Intelligenz, die sich auf drei Grundelemente stützen: die Anthropomorphisierung von KI-Systemen, überzeichnete Zukunftserwartungen sowie kurzfristige technische Lösungsversprechen. Diese Elemente zeigen, wie eng der aktuellen KI-Hype mit wirtschaftlichen Interessen verknüpft ist, und offenbaren auch tief verwurzelte intellektuelle Bewegungen, die er als „Tech-Ideologien“ bezeichnet. Darunter fallen unter anderem der technologische Determinismus und der Transhumanismus.
Ideologische Grundlagen und gesellschaftliche Folgen
In seiner kritischen Analyse behandelt Mühlhoff auch das Konzept des Transhumanismus, das die Überwindung menschlicher Grenzen durch Technologie propagiert. Er knüpft dabei an die Diskussionen über Eugenik und deren Fortführung in modernen technophilen Ideologien an. Zentrale Akteure dieser Debatte sind Persönlichkeiten wie Nick Bostrom, die für ihre Philosophie, die existenzielle Risiken über akute Probleme wie Armut und Klimakrise priorisieren, bekannt sind.
Der Autor fordert eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der ideologischen Basis des Diskurses über Künstliche Intelligenz und regt eine kritische Reflexion über die kulturellen, ethischen und sozialen Voraussetzungen an. Sein Buch wird als Weckruf beschrieben, der Medien, Politik und Öffentlichkeit auffordert, die Augen für die potenziellen Gefahren technologischer Entwicklungen zu öffnen und diese nicht blind zu akzeptieren.
Für die kommenden Diskussionen über die Rolle von Technologie in Gesellschaft und Politik wird Mühlhoffs Werk als unverzichtbares Element angesehen, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Technologie und Gesellschaft besser zu verstehen. Seine Kritiken an den dominierenden narratives bieten nicht nur eine fundierte Analyse, sondern rufen auch zur Verantwortungsübernahme in einer zunehmend technisiert werdenden Welt auf.
Wie netzpolitik.org hervorhebt, wird das Buch bereits jetzt als prägend für die Debatten über Künstliche Intelligenz und deren ethische Dimensionen wahrgenommen. In diesem Sinne eröffnet Mühlhoff nicht nur eine Diskussion über Technologie, sondern auch über die Werte, die wir in unserer Gesellschaft vertreten wollen.
Über die Herausforderungen hinaus, die die technologische Entwicklung mit sich bringt, hebt openstream.ch hervor, dass Mühlhoffs Arbeit auch Möglichkeiten zur Reflexion über soziale Gerechtigkeit und Machtverteilung in unserer digitalen Zukunft bietet. Dies ist besonders relevant in einer Zeit, in der die Verantwortung für technologische Innovationen und deren Folgen zunehmend bei den Entscheidungsträgern liegt.



