Am 19. Februar 2026 fand an der Bucerius Law School ein bemerkenswerter Gastvortrag von Dr. Nikolai Huke statt, einem Politikwissenschaftler an der Universität Hamburg. In seinem Vortrag thematisierte Huke die Herausforderungen, die prekäre Lebenslagen für die Inanspruchnahme von Arbeitsrechten mit sich bringen. Huke leitet ein Forschungsprojekt der Hans-Böckler-Stiftung, das sich intensiv mit den Aspekten der Arbeitsrechte in prekären Lebenslagen beschäftigt.

Der Begriff Prekarität beschreibt eine Lebenssituation, die oft durch Armut, unsicheren Aufenthaltsstatus, unzureichende soziale Sicherung sowie Rassismus und Exklusion gekennzeichnet ist. Diese Faktoren erschweren es den Betroffenen, ihre Arbeitsrechte geltend zu machen. Viele erleben am Arbeitsplatz Rechtsverletzungen, wie unbezahlte Überstunden oder nicht gewährte Urlaubsansprüche, die oft nicht ausreichend thematisiert werden. Die resultierenden rechtlichen Strategien sind mannigfaltig, reichen aber häufig nicht aus, um die oft prekären Verhältnisse zu verbessern.

Der Kontext der Forschung

Das Forschungsprojekt selbst, das von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wird, hat eine Laufzeit vom 1. April 2024 bis 30. September 2026 und untersucht die Einschränkungen, die Beschäftigte in prekären Lebenslagen bei der Inanspruchnahme von Arbeitsrechten erfahren. Die empirische Grundlage der Studie basiert auf qualitativen Interviews mit Menschen, die arbeitsrechtliche Beratung in Anspruch nehmen. Dadurch soll ein tieferes Verständnis für die Problematik erlangt werden. Es werden verschiedene Gruppen von Ratsuchenden erfasst, darunter Migrant*innen aus Mittel- und Osteuropa, geflüchtete Personen in prekären aufenthaltsrechtlichen Positionen sowie Menschen mit deutschem Pass, die in ähnlichen schwierigen Lebenssituationen stehen.

Ein zentrales Anliegen der Forschung ist es, Ansatzpunkte für eine ermächtigende Beratungspraxis zu identifizieren und die Wahrnehmung politischer Entscheidungsträger für die spezifischen Schutzbedarfe dieser Beschäftigtengruppen zu schärfen. Huke betont, dass die individuelle und kollektive Fähigkeit zur Durchsetzung von Rechten durch die genannten Faktoren erheblich eingeschränkt ist, was zu einer Normalisierung von Arbeitsrechtsverletzungen und zur Erosion arbeitsrechtlicher Standards führt.

Forschungsstrategien und Ziele

Die Methoden der Forschung beinhalten den Zugang zu Beratungsstellen wie der Netzwerke Faire Integration und Faire Mobilität sowie weiteren Arbeits- und Sozialberatungsstellen. Die Untersuchungssituation wird durch die tiefe Einblicke in die realen Herausforderungen, vor denen die Betroffenen stehen, bereichert. Die Qualitative Interviews bieten eine essentielle Plattform, um die Erfahrungen der Menschen zu dokumentieren und zu erforschen, welche Strategien sie zur Bewältigung ihrer Probleme entwickeln. Zu den häufigsten Strategien zählen das Erdulden der Zustände, Kündigungen oder situativer Ungehorsam, dessen Tragweite oft nicht ausreichend verstanden wird.

Die Publikationen von Dr. Nikolai Huke in den Jahren 2024 und 2025 werden voraussichtlich Themen wie ungleichen Zugang zum Recht, Rassismus in der Arbeitswelt sowie die Dynamik von Arbeitsrechtsverletzungen behandeln, und die Ergebnisse der Forschung könnten wertvolle Impulse für die Gewerkschaftsorganisation und die politische Debatte liefern. Auch die Interviewreihe mit Arbeitsrechtsberatungsstellen in der Zeitschrift express wird einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit der Thematik leisten.