Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben in einer aktuellen Studie die Perspektiven von Trainern im Profifußball analysiert. Dabei wird untersucht, wie Druck- und Erwartungshaltungen im Sport zu Performance-Krisen führen können. Hauptautor Constantin Rausch hebt hervor, dass Krisen nicht immer durch einzelne negative Ereignisse ausgelöst werden. Vielmehr entstehen sie häufig durch latente Schwächen und selbstverstärkende Eskalationszyklen, die sich in unsicheren Phasen verstärken können. Diese Ergebnisse könnten eine grundlegende Neubewertung des Krisenmanagements im Profifußball nach sich ziehen, wie KIT berichtet.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass unauffällige Schwächen, wie interne Uneinigkeiten im Verein und im Team, in kritischen Phasen zur Eskalation beitragen können. Trainer bieten einen einzigartigen Zugang zu diesen Krisenprozessen, insbesondere auf Organisationsebene, wo sie oft als Puffer für medialen Druck und interne Erwartungen fungieren. Ihre Rolle wird somit entscheidend für die Deeskalation und Prävention von Krisen erachtet.
Die Rolle der Kommunikation
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist die Bedeutung klarer interner Kommunikation und abgestimmter Erwartungshaltungen. Unterschiede in den Einschätzungen zwischen Trainern und anderen Clubmitgliedern werden als zentraler Faktor für Unsicherheiten und schwache Teamdynamiken identifiziert. Diese Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine verbesserte Kommunikationsstruktur innerhalb eines Teams essenziell sein könnte, um Krisen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.
Im Kontext des Profifußballs steht der Leistungsdruck im Fokus. Laut einer Studie leiden ein Drittel aller Profifußballer unter psychischen Belastungen. Diese Belastungen äußern sich häufig in körperlichen Symptomen, wie der Übelkeit, die Ex-Nationalspieler Per Mertesacker vor Spielen erlebte, oder den Schlafstörungen und Ängsten des Schalke 04-Profis Timo Baumgartl. Nationalspielerin Carolin Simon beschreibt den ständigen Wettbewerb und den Druck, sich immer wieder zu beweisen.
Psychische Belastungen im Profisport
Die Wichtigkeit professioneller Unterstützung wird durch die Aussagen von Akteuren wie der Ex-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg untermauert, die über ihren Zusammenbruch nach der WM 2023 berichtete. Robin Gosens von Union Berlin äußerte den Druck, bei einer Äußerung von Schwäche negative Konsequenzen zu befürchten. Andreas Marlovits, ein Fachpsychologe, hat ebenfalls betont, dass psychische Belastungen im Profisport ernst genommen werden müssen. Viele Spieler, wie Simon, Voss-Tecklenburg und Baumgartl, haben psychologische Unterstützung in Anspruch genommen.
Trotz der klaren Notwendigkeit für psychologische Hilfe ist die Realität im Profifußball ernüchternd. Ulf Baranowsky von der Spielergewerkschaft vdv stellt fest, dass nur drei Erstliga- und zwei Zweitligaklubs dauerhaft therapeutische Hilfe anbieten. Ein Drittel der Klubs bietet zumindest teilweise Unterstützung. Robin Gosens hat seinen Unmut über den geringen Stellenwert der Psychologie im Fußball und in der Gesellschaft zum Ausdruck gebracht, was die Dringlichkeit der Diskussion um psychische Gesundheit im Sport verdeutlicht.